Sie nannten sie Sirene. Babylonische Hure. Heidnische Göttin. Schwarzbestrapste Heilige, vulgär, aggressiv, pervers! Und jetzt reicht zur Beschreibung ein kleiner Doppellaut. Ma-ma.

Einfach Mama, und die berühmteste noch lebende Frau der Welt ist glücklich. Madonna Louise Veronica Ciccone, the Queen of Pop, ist wieder da, mit einem vollkommen spektakulären und so lang erwarteten Coming-out.

Auf dem Bild trägt sie die Haare hinten eilig zusammengezwirbelt. Eine Strähne fällt in die Stirn, ziemlich speckig, als habe die Zeit wieder mal nicht zum Waschen gereicht. Das Gesicht ist schmal vor Anstrengung. Unter den Augen liegt der berühmte kleine Schatten. Gerade richtet sie wieder ihr Kleid. Mit der anderen Hand hält sie ein rundgefüttertes glutäugiges lockiges Pummelchen.

Das Bild ist ein Klassiker. Madonna mit Kind. 20. Jahrhundert. Limitierte Auflage: weltweit eine satte Million.

Das Photo wird offiziell erst am 12. Februar am Kiosk sein, in der neuesten Ausgabe des amerikanischen Magazins Vanity Fair. Freundlicherweise hat V. F. das Bild vorab schon mal verteilt. Weil die Welt nicht warten kann auf diese wirklich irre Geschichte, die Madonna (auch im Popmagazin Q) zu erzählen hat, zufällig kurz vor dem Erscheinen ihrer neuen CD.

Madonna spricht über ihr Leben mit Kind. "Ich wußte, daß es ein unglaublich heilendes Erlebnis sein würde, ein Kind zu bekommen", sagt die junge Mutter. Sie habe endlich erfahren, wonach sie ein Leben lang gesucht habe. Einen Augenblick der Stille.

Stille! O Madonna! Wir sahen sie bei komplizierten Zungenküssen, mit ihren Freundinnen. Jetzt macht sie Yoga. Und hat die Wahrheit geschaut. Sie habe verstanden, daß sie zurückstehen müsse, sagt sie. Sich unterwerfen. O nein, doch keinem Mann! Die Rede ist von Lourdes. Nein, nicht der Wallfahrtsort! Ihre Tochter ist nach jenem Ort benannt. Die kleine Lourdes ist ein wunderbares Mädchen: "Sie küßt alles. Sie küßt Hunde, sie küßt die Fremden auf dem Spielplatz!"