Anfang Februar ist nach dem japanischen Kalender der Winter endlich vorbei. Es ist Zeit, den Frühling zu begrüßen, traditionell mit dem "Setsubun", einem besonderen Fest. Überall im Land steigen die Menschen die Stufen zu den Tempeln empor, beten und werfen mit Bohnen. Eine aus alter Zeit überlieferte Zeremonie, man sagt, so ließen sich böse Geister vertreiben. Und seien sie erst mal verschwunden, dann sei Platz für das Glück.

In diesem Jahr ist alles ein bißchen anders, zumindest in Nagano, diesem seltsamen Ort in den japanischen Alpen. Mit Beginn des Frühlings ist Olympia über die Stadt gekommen, hat den Winter verlängert und auch sonst alles verändert. Im Zenkoji-Tempel über der Stadt war die letzte Bohne kaum geworfen, da markierte der Fernsehsender CBS den Gezeitenwechsel, rückte an mit schwerem Gerät und installierte mobile Studios neben den Säulen der Pilgerstätte. Währenddessen wurden in den frisch geteerten Straßen die letzten Kanaldeckel verschweißt, aus Sicherheitsgründen. Man hängte kleine Wimpel auf, polierte das Chrom der Hydranten auf Hochglanz, dann durfte die schwere, vierzehnhundert Jahre alte Glocke des Tempels wieder schlagen, ein dumpfer Gong, der widerhallte von den Bergen ringsum: Die Eröffnungsgala der 18. Olympischen Winterspiele hatte begonnen.

Alle Welt sieht nun auf Nagano, und Nagano blickt leicht irritiert zurück. Olympia als Veranstaltung von Zugereisten, diesen Eindruck kann man haben nach den ersten Tagen. Zum Beispiel am "Olympic Plaza", jenem zentralen Versammlungsort in der Stadt, an dem sich Colafabrikanten, Bierbrauer und andere "proud sponsors" mit viel Aufwand und Lärm präsentieren. Kein Gedanke daran, hier könnte ein Funken überspringen, allenfalls Erstaunen bei den Flaneuren, die wie für den späteren Beweis ein Photo machen und den Kinderwagen weiterschieben. Noch stoßen sich die Welten hart im Raum von Nagano, oder, um es mit den Worten von Richard zu sagen, dem aus London angereisten glatzköpfigen Schwarzhändler: "It's the language." Seit Stunden wedelt er vor der Kodak Imaging Expo mit Tickets fürs Eishockey, niemand versteht ihn, nichts wird er los. Hat er sich ganz anders vorgestellt.

So viele Fremde, so viele Fragen. Ganze Heerscharen von Reportern sind angetreten, um Nagano auf links zu drehen. Doch wie mühsam ist dies, angesichts von soviel Höflichkeit, von soviel Lächeln. Selbst der umtriebigste Geist ist machtlos, wenn er auf Menschen trifft, die es verstehen, auf wundervolle Weise in sich zu ruhen. Die olympischen Busfahrer gehören dazu.

Spätestens seit den Spielen von Albertville ist der Transport in die Arenen ein entscheidendes Thema. Zumindest für die olympischen Berichterstatter. Kommen die Busse, oder kommen sie nicht? Wohl oder Wehe eines ganzen Tages hängen davon ab. Auch kleine Unregelmäßigkeiten legen sich da schnell belastend auf die Stimmung. Normalerweise.

In Nagano tragen die Männer am Lenkrad graue Uniformen, weiße Handschuhe und Kappen wie Flugkapitäne. Sie lächeln, wenn sie den Fahrplan nicht schaffen. Geraten sie, was das digitale Navigationssystem an Bord eigentlich verhindern soll, auf den falschen Weg und wieder hinein in einen Stau, dann bleiben sie ruhig. Niemand hupt.

Wenn der Himmel nicht mitspielt, ist der Mensch machtlos