Wer auf einen hohen Sockel gestellt wird, fällt tief - wenn er denn fällt. Darf man den Spekulationen der vergangenen Woche um Ron Sommer glauben, könnte es mit seiner Karriere als Telekom-Chef schon bald zu Ende sein.

So schnell kann das gehen: Der Mann, der bis vor kurzem noch als Bilderbuchmanager galt, sieht sich plötzlich massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt. Und die vermittelt den Eindruck, als ob der polyglotte Aufsteiger, der seit fast drei Jahren die Geschicke des Fernmelderiesen lenkt, sich und das Unternehmen zwar gut vermarkten kann, aber die tatsächlichen Probleme nicht in den Griff bekommt.

Am Wochenende geriet die Telekom dann zusätzlich ins Visier des Bundeskartellamtes in Berlin. Jetzt lastet auf Sommer auch noch der Verdacht, bei Ortsgesprächen über Gebühr richtig zuzulangen und den jungen Wettbewerb zu behindern. Das "Wunderkind", wie einst vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin BusinessWeek tituliert, geht noch härteren Zeiten entgegen.

Ausgelöst wurden die Turbulenzen zunächst durch die nach außen getragene Kritik eines Aufsichtsratsmitglieds während der jüngsten Sitzung des Kontrollgremiums. Finanzstaatssekretär Jürgen Stark soll Sommer dort hart angegangen sein. Kritik von dieser Seite wiegt besonders schwer. Schließlich repräsentiert Stark den Bund als Mehrheitsaktionär.

Mit öffentlichen Kommentaren hält sich der parteilose Spitzenbeamte allerdings zurück. Er wolle sich, so heißt es, an den Spekulationen nicht beteiligen, läßt auf diese Weise aber auch zu, daß Gerüchte unwidersprochen gedeihen. Auch die eindeutige Erklärung des Aufsichtsratschefs Helmut Sihler, Sommer besitze das volle Vertrauen, konnte das zunächst nicht mehr verhindern.

Dabei würden die jüngst veröffentlichten Zahlen anderen Topmanagern wohl eher zu Ruhm und Ehre gereichen: Der Gewinn erhöhte sich im vergangenen Geschäftsjahr um 83 Prozent, der Umsatz wuchs um 6,5 Prozent. Zudem wurden Schulden kräftig abgebaut und die Produktivität gesteigert.

In diesem Fall reicht das aber nicht. Sommer muß sich den Vorwurf gefallen lassen, die selbstgesteckten Ziele verfehlt zu haben. Die Zahlen entsprechen nämlich nicht den internen, viel optimistischeren Prognosen. Der Gewinn muß, um das Dividendenversprechen halten zu können, fast komplett ausgeschüttet werden. Zudem hat der glänzende Start der T-Aktie bei allen Aktionären hohe Erwartungen geweckt. Erstmals wurde nun aber deutlich, daß der Fernmelderiese längst nicht so gut dasteht, wie es bislang schien.