Da wär' man gern dabeigewesen, als die Produktionsfirma manufactum mit dem Fernsehen über den "Piraten"-Stoff verhandelt hat. Wie mag sie die Geschichte verkauft haben? Junge aus gutem Hause bricht aus, dealt erst mit Hasch, dann mit Heroin, landet im Knast, wird selber süchtig und stirbt an Aids ... Da müssen die Verantwortlichen im Sender doch den Schluckauf gekriegt haben vor Widerwillen. Aber wahrscheinlich hat die Firma die üblichen Tricks angewandt und Leimruten ausgelegt: ... nach einem Buch von Stefan Aust ... Jürgen Vogel hat Lust auf die Hauptrolle ... Die Kosten würden im Rahmen bleiben ... etc. Und schon hat irgend so ein vertrauensseliger Chef beim ZDF den Mißgriff des Jahres getan.

"Der Pirat" ist eine Fixerballade von der perfiden Art und obendrein zäh, mies, einschläfernd und einfältig verfilmt. Jürgen Vogel reißt gar nichts raus, und was sich Stefan Aust bei dieser öden Schauermär gedacht hat, bleibt sein Geheimnis. In den letzten dreißig Jahren ist der Umsatz von Rauschgift unseligerweise exponentiell angestiegen, es hätte also alles dafür gesprochen, den Stoff im Heute anzusiedeln, aber das war Bernd Schadewald (Buch und Regie) wohl nicht perfide genug. Man brauchte den Hintergrund von 1968, um klarzumachen, woher das ganze Elend kommt: von den wilden Parties und vom Rock 'n' Roll, von der Rebellion gegen die Eltern und den "bürgerlichen Scheiß" und vor allem von zuviel Sex. Vorsicht, Jungs und Mädels, von so 'nem Teufelszeug wird man kriminell, asozial und HIV-positiv. Paßt euch lieber an, dann lebt ihr länger.

Das war die verlogene Botschaft dieses faden Films mit Überlänge. Jürgen Vogel als Dealer Jan stolperte unter einer unsäglichen blonden Perücke freudlos durch die Szenen, Christiane Paul als seine Süße äugte bemüht-fatal unter genauso einer Perücke hervor - wie überhaupt der Look der siebziger Jahre mit Wallemähnen und taillierten Hemden per se schon als geschmacksverirrt und frivol die Dekade gleichsam ächten sollte.

Ob das nun Absicht war, 1968 zu brandmarken als das Jahr, in dem der Drogenterror erfunden wurde, oder nicht: wenn jeder Schritt, den der Junge mit der "behüteten Kindheit" vom Wege ab in den Mahlstrom von Aufruhr, Lüge, Knast und Sucht tut, mit Gegenschnitten auf Guevara-Poster, RAF-Kader, Kellerparties, Demos, Vietnamkrieg und langhaarige Molliewerfer illustriert wird, bleibt keine andere Interpretation übrig. Das war die Bildzeitung der Jahre 1967 plus, die hier als Sozialklamotte wiederkehrte. Na toll!