So geht es dahin, das atemlose Leben der Stardirigenten: Rund um den Erdball hasten sie von Konzertsaal zu Konzertsaal, von Opernhaus zu Opernhaus. Die große Kunst vor Augen, den fürstlichen Gagenscheck im Hotelzimmer. Oft geht's auch umgekehrt: Die Gage vor Augen, die Kunst im Hotelzimmer. Und nie ein Augenblick des Innehaltens. Wie Goldhamster rotiert der Maestro im Laufrad des klassischen Musikbetriebs, und keiner wagt abzuspringen.

Dabei ist es doch ganz einfach: Beiläufig hat Claudio Abbado jetzt verkündet, daß er in vier Jahren als Chef der Berliner Philharmoniker gehen wird. Diesen Traumjob, von allen Pultstars der Welt begehrt, den Karajan sich einst auf Lebenszeit sicherte und zum Herrscherthron ausbaute - Abbado läßt ihn fahren, ohne unzufrieden zu sein oder sich mit dem Orchester überworfen zu haben.

Einfach so. Mit der wunderbaren Begründung, er möchte wieder mehr Zeit zum Lesen und Segeln haben. Eine Entscheidung gegen eitles Prestigedenken, gegen alle Weltruhmallüren und die Verlockungen des Mediengeschäfts. Und wenn nun der Kampf um seine Nachfolge entbrennt, wird Abbado ganz entspannt dem Glucksen des Wassers auf seinem Segelboot lauschen, ab und zu eine Buchseite umblättern und wissen: Große Kunst hat mit Muße zu tun. Ein Ausstieg? Ein Aufstieg.