Was schadet dem Standort Deutschland mehr: die rotgrüne Gefahr oder das schwarzgelbe Politikversagen? Neuerdings vergessen die Wirtschaftspolitiker unter den Bundestagsabgeordneten derlei Vorurteile. Sie setzen sich über Parteigrenzen hinweg und kennen plötzlich nur noch Deutsche. Angeregt von Siegmar Mosdorf (SPD) und Gunnar Uldall (CDU), unterstützt von Margareta Wolf (Bündnis 90/Grüne) und Paul Friedhoff (FDP) plädiert eine ganz große Koalition dafür, den Standort Deutschland im Ausland positiver darzustellen und offensiver für Investitionen in der Bundesrepublik zu werben.

Im Wirtschaftsausschuß verabschiedete dieses ungewöhnliche Bündnis einen Antrag, in dem es heißt: Die Vorteile des Standortes Deutschland kämen in der öffentlichen Diskussion und bei den Überlegungen der Investoren stets zu kurz. Wenn sich in der Vergangenheit zu viele Unternehmen für eine Ansiedlung außerhalb der Bundesrepublik entschlossen hätten, liege das einerseits an dieser verzerrten Darstellung, andererseits an "Standortnachteilen, die wir gemeinsam beheben müssen".

Das klingt schon fast nach einem gemeinsamen schwarzrotgrüngelben Programm, doch so weit geht die Übereinstimmung nicht. Immerhin fordern die Abgeordneten, die Akquisitionsarbeit im Ausland zu bündeln, und zwar in einer Agentur "Investieren in Deutschland".

Zugleich soll auch das Zentrum für Auslandsinvestoren des Bundeswirtschaftsministeriums durch hausinterne Umschichtungen personell und finanziell gestärkt werden. Den Vorschlag von Wirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP), statt einer Agentur einen hochrangigen "Standortbeauftragten" mit eigenem Stab im Ministerium zu ernennen, lehnen die Abgeordneten dagegen als zu bürokratisch ab.