Vor rund einem Jahr hat die Bundesregierung aufgrund der BSE-Schutzverordnung die Tötung aller aus Großbritannien, Nordirland und der Schweiz importierten Rinder befohlen, und zwar unabhängig von deren Gesundheitszustand. Um die Vernichtung der rund 6000 Rinder durchzusetzen, mußte BSE als Tierseuche eingestuft werden. Denn nur so ergibt sich eine rechtliche Grundlage, gesunde Tiere gegen den Willen ihrer Halter zwangsweise zu töten. Rund achtzig Prozent der genannten Importrinder wurden bereits vernichtet. Um das Überleben des Restbestandes wird vor Gericht gekämpft - denn die BSE-Schutzverordnung und ihre zwangsweise Umsetzung entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Das erkennen zunehmend auch die Oberverwaltungsgerichte. Schon mehrfach haben Politiker und Funktionäre eingestanden, daß die Verordnung nicht der Bekämpfung eines vermuteten Seuchengeschehens diene, sondern marktpolitischen Interessen. Die Bundesregierung ist nicht in der Lage, die Gegenargumente zu entkräften. Der Grund hierfür ist einfach: Entgegen landläufiger Meinung ist BSE keine Seuche, sondern kann nur auf künstliche Weise, nach Art einer Vergiftung, weitergegeben werden.

Auch die übrigen Spongiformen Enzephalopathien, zu denen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit des Menschen gehört, sind keine Seuchen. All diese Leiden können in sehr seltenen Fällen spontan entstehen. Dabei werden körpereigene Erreger gebildet, die sich vermehren. Sie sind als Gift via Nahrung oder Injektion auf andere übertragbar und können so die Krankheit erneut auslösen. Ansteckend im Sinne einer natürlichen Übertragung unter lebenden Artgenossen sind diese Krankheiten jedoch nicht. Selbst in britischen Herden sind stets nur vereinzelt Tiere an BSE erkrankt.

Warum wurde BSE dennoch irrtümlich für eine Seuche gehalten? Die Antwort ist seit 1988 bekannt. Aus wirtschaftlichen Gründen werden nicht nur Schlachtabfälle, sondern auch Kadaver verendeter Tiere zu Tiermehl verarbeitet. Damit werden vor allem Schweine und Geflügel gefüttert. In Großbritannien und anderen Ländern erhielten jahrelang auch Rinder und Schafe der Intensivhaltung dieses Futter, nicht aber Tiere der naturnahen Haltung.

Als das erste britische Rind unerkannt an BSE starb, wurde es ebenfalls zu Tiermehl verarbeitet. Das damals vorherrschende britische Produktionsverfahren zerstörte die BSE-Erreger nicht. Sie wurden mit dem Tiermehl an gesunde Rinder verfüttert, wodurch einige Tiere an BSE erkrankten, zu Mehl verarbeitet wurden und so weiter.

Wegen dieser verhängnisvollen Rückkopplung schwoll die BSE-Welle immer stärker an und wurde deshalb zunächst irrtümlich für eine Seuche gehalten.

Rund 170 000 britische Rinder, zu fast 100 Prozent aus der Intensivhaltung, sind bisher an BSE erkrankt. Die Keulung von mittlerweile über 1,4 Millionen britischen Rindern konnte nur den Ausbruch von BSE bei jenen Tieren verhindern, die durch verunreinigtes Kraftfutter schon Erreger aufgenommen hatten. Die Lösung des BSE-Problems gelang jedoch erst durch die Unterbrechung der Übertragungskette: Britische Rinder dürfen seit Juli 1988 nicht mehr mit wiederkäuerhaltigem Tiermehl gefüttert werden. Da dieses Verbot versehentlich oder absichtlich zu oft übertreten wurde, darf seit März 1996 kein säugetierhaltiges Tiermehl mehr an britische Nutz- oder Haustiere verfüttert werden. Geflügel- und Fischmehl sind weiterhin erlaubt.