Kaum hatten sich Helke und Stefan K. in ihrem neuerbauten Bremerhavener Eigenheim eingerichtet, wurden sie von Herrn und Frau E. verklagt. Das K.sche Haus, so lautet der ungewöhnliche Vorwurf, sei ein Plagiat ihres Eigenheims.

Die Kläger verlangten Schadensersatz.

Tatsächlich hatte sich das Ehepaar K. den Architekten gespart schließlich sollte das Haus nicht zu teuer werden. Helke K., Bauzeichnerin von Beruf, brachte selbst etwas technisches Know-how mit und ließ sich von Exkursionen in die Nachbarschaft beflügeln. In Schiffdorf, sieben Kilometer vom eigenen Bauplatz entfernt, entdeckte die Bauherrin ihr Traumhaus, das Heim von Familie E.

Ob nun der flüchtige Eindruck eines Spaziergangs ausreichte oder ob eine Kamera zur Hilfe genommen wurde: Die Ähnlichkeit zwischen dem von Helke K.

entworfenen Bau und dem Original ist beträchtlich - wer die beiden Häuser sieht, könnte an Serienfertigung denken. Genau das befürchten nun die Kläger, denen die Sorge, ihr anspruchsvolles Heim könne für das Produkt eines Fertighausanbieters gehalten werden, die Freude am exklusiven Wohnen verleidet.

50 000 Mark habe man für die Arbeit eines renommierten Architekten bezahlt, führen sie an. Der sollte laut Auftrag etwas Besonderes, nämlich ein Unikat erschaffen, und nun sei durch schnöde Nachäfferei das eigene Domizil zur Katalogware herabgewürdigt. Wer so frech abkupfere wie Ehepaar K., der verletze das Urheberrecht und habe sich nachträglich gefälligst an den Architektenkosten zu beteiligen. 25 000 Mark seien da durchaus angemessen.

Im Bremer Landgericht müssen die bestürzten K.s als Beklagte erfahren, daß keineswegs eine detailgetreue Kopie vorliegen müsse, um solch eine Forderung zu begründen. Dafür sei schon ausreichend, daß die Nachahmung bereits zugegeben wurde. Entscheidend aber sei die Frage, ob das Original als Kunstwerk gelten müsse, das vom Urheberrecht geschützt werde. Einen ersten Dämpfer erhielten die Kläger von ihrem Architekten, der das schöne Haus entworfen hatte. Vor Gericht räumte er ein, daß seine Bauzeichnung wohl keinen Eingang in die Architekturgeschichte finden werde. Aus gutem Grund hatte er nicht selbst geklagt, sondern seinen Anspruch an die erzürnten Kunden abgetreten.