Washington

Die Debatte in Amerika, wie mit Saddam Hussein und seinen Massenvernichtungswaffen verfahren werden soll, wird immer heftiger. Sollen wir bombardieren und, wenn ja, wie intensiv? Sollen wir mit Truppen einmarschieren? Sollen wir versuchen, Hussein direkt zu beseitigen?

Aber wären Luftangriffe oder gar eine Invasion klug? Der Waffeneinsatz könnte negative Folgen haben und würde aller Voraussicht nach das wichtigste Problem nicht lösen: Husseins biologische und chemische Waffen zu zerstören.

Das Problem ist nicht unsere Fähigkeit zu einem Militärschlag. Das amerikanische Militär verfügt über die nötigen Präzisionsbomben, um ungefähr jedes Ziel im Irak zu vernichten. Wir können genug Truppen mobilisieren, um Bagdad anzugreifen, falls wir entscheiden sollten, daß Hussein das Leben unserer Soldaten wert ist. General H. Norman Schwarzkopfs Nachfolger kann beispielsweise Stealth-Flugzeuge einsetzen, die bei einem einzigen Angriff Dutzende von Zielen mit präzisen Lenkwaffen zerstören können. Unsere B-2-Bomber brauchen keine Basen in Saudi-Arabien, sie können den Irak von Amerika aus angreifen. Von See oder aus der Luft gestartete Cruise-Missiles können jedes Gebäude zerstören, das nicht durch Beton- oder Erdwälle geschützt ist.

Wir haben also die nötigen Mittel. Aber das bedeutet noch nicht, daß wir sie auch einsetzen sollten. Die Vereinigten Staaten haben Hussein angedroht, daß sie Militärgewalt gebrauchen werden, wenn er den Inspektoren von Unscom nicht ungehinderten Zugang zu sämtlichen verdächtigen Anlagen erlaubt. Damit diese Drohung glaubwürdig bleibt, müssen die USA notfalls Gewalt anwenden. Aber bevor wir angreifen, sollten wir uns über die Folgen im klaren sein. Ein Angriff mit Bodentruppen oder aus der Luft könnte auf uns zurückschlagen. Er würde nicht nur den Widerstand der Anhänger des irakischen Diktators auslösen, er könnte ebenso dazu führen, daß sich unsere Freunde gegen uns wenden, vor allem die in der arabischen Welt. Ein Angriff könnte Hussein vom Verbrecher in einen arabischen Märtyrer verwandeln. Sollten wir ihm auf diese Weise bei seiner Propagandakampagne helfen, die einzige Supermacht der Welt als imperial zu brandmarken?

Letztlich könnte weder ein Luftkrieg noch eine Invasion von Bodentruppen die Auseinandersetzung über die Verifizierung der Massenvernichtungswaffen lösen.

Was wir brauchen, ist eine Mannschaft von gutausgebildeten Inspektoren, die die biologischen und chemischen Waffen aufspürt. Biologische Keime können sehr leicht in versteckten Laboratorien gezüchtet werden. Chemische Waffen können unter primitivsten Umständen hergestellt werden. Es kann durchaus sein, daß wir das gesamte irakische Potential niemals entdecken.