Das Bundesverfassungsgericht hat einen Meilenstein für die Rundfunkfreiheit gesetzt. Die öffentlich-rechtlichen Sender dürfen auch dann in Neunzig-Sekunden-Beiträgen über Ereignisse von allgemeinem Interesse berichten, wenn diese Events exklusiv an andere Sender vergeben wurden. Daß es sich dabei um Sport, insbesondere um Topfußball handelt, liegt auf der Hand. Denn wenn es um Einschaltquoten und Werbeeinnahmen geht, ist das Spiel um den Ball zur heißesten Ware geworden. Den Inhabern der Übertragungsrechte, den Vereinen und dem Deutschen Fußballbund, sind so lukrative Einnahmen sicher. Die Clubs, das hat ihnen kürzlich erst der Bundesgerichtshof bescheinigt, wachsen immer mehr in die Rolle von Wirtschaftsunternehmen, späterer Gang an die Börse nicht ausgeschlossen. Aus dem Spiel ums große Geld kann also keiner mehr aussteigen. Bisheriger Höhepunkt im Monopoly ums runde Leder: Fernsehmogul Leo Kirch hatte die Übertragungsrechte für die Fußballweltmeisterschaften 2002 und 2006 gekauft, um sein digitales Pay TV am Markt durchzusetzen - mutmaßlich wird die Mehrheit der Zuschauer dann das Nachsehen haben. ARD und ZDF können in dem Powerplay immer weniger mithalten.

Doch über der Gier nach dem großen Geld ist eine Kleinigkeit verlorengegangen: das Recht aller Bürger auf Information. Und Sport, so betonten die Verfassungsrichter noch einmal nachdrücklich, erfülle nicht nur eine unterhaltende, sondern auch eine gesellschaftliche Funktion.

Obwohl das Recht auf Kurzberichterstattung längst im Rundfunkstaatsvertrag wie in den Rundfunkgesetzen der einzelnen Anstalten verankert ist, hatten Bundesregierung und Deutscher Fußballbund eine Verfassungsklage dagegen angestrengt - weil Eigentumsrechte tangiert sind. Die Karlsruher Richter haben dem Rechnung getragen: Umsonst wird das Recht auf Kurzberichterstattung nicht sein, über die Bezahlung hat der Gesetzgeber zu entscheiden.

Zugleich ist das Urteil zukunftsweisend: Die digitale Fernsehtechnik, die dem Pay-TV-Geschäft erst zum Durchbruch verhelfen wird, benötigt exklusive Übertragungsrechte. Nur damit lassen sich Kundenscharen locken. Das Urteil des Verfassungsgerichts wird das nicht verhindern können und auch nicht, daß es auf absehbare Zeit eine Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft geben wird.

Aber es sichert denen, die sich Pay TV nicht leisten wollen oder können, jedenfalls einen Rest von Information - und damit Teilhabe an der Gesellschaft.