die zeit: Professor Meadows, Sie haben mit Ihrem Buch über die Grenzen des Wachstums weltweites Aufsehen erregt. Bereuen Sie Ihre Untergangsprognosen von damals?

Dennis L. Meadows: Ich habe viel über das Buch nachgedacht. Aber Bedauern habe ich dabei nie empfunden.

zeit: Sie prognostizierten damals recht mutig, daß fortgesetztes Wirtschaftswachstum zur Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und schließlich zum Kollaps des Planeten führen werde. Davon kann doch heute keine Rede sein.

Meadows: Das war auch nicht unsere Prognose. Wir haben vorausgesagt, daß die Fortsetzung des Bevölkerungswachstums, des Wirtschaftswachstums, der Umweltverschmutzung und anderer Entwicklungen die Erde kollabieren lassen wird. Der Kollaps wegen übertriebener Rohstoffausbeutung war nur eins von mehr als zehn Zukunftsszenarien. Aber selbst dieses Szenario zeigte, daß um das Jahr 2000 nicht mehr als fünfzehn Prozent aller Rohstoffe verbraucht sein würden. Die wirkliche Knappheit beginnt in unseren Computermodellen erst nach dem Jahr 2020. Also, ich habe durchaus den Eindruck, daß wir noch gut im Plan liegen.

zeit: Immerhin sinkt inzwischen das Bevölkerungswachstum, das Sozialprodukt pro Kopf ...

Meadows: ... steigt, die Versorgung mit Nahrungsmitteln wird besser, und die Umweltverschmutzung hält sich in Grenzen. Richtig. Aber das stimmt genau mit unseren Modellen überein. Wir haben für das Jahr 2000 vorausgesagt, daß alles großartig funktioniert.

zeit: Trotzdem glauben Sie, daß die Menschheit nach wie vor ihrem Verderben zusteuert?