Meadows: Jobs sind doch kein Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck. Das Ziel der meisten Menschen ist ein glückliches, gesundes, ausgefülltes Leben mit Freunden und mit ihrer Familie. Unser Problem ist, daß wir eine Gesellschaft geschaffen haben, die uns die angenehmen Seiten des Lebens vorenthält, sofern wir nicht über ein ziemlich hohes Einkommen verfügen. Die Alternative ist, uns auf die alten Ziele zu besinnen und durch neue Organisationen dafür zu sorgen, daß nicht jeder um acht Uhr morgens zur Arbeit eilen muß.

zeit: Haben Sie auch realistischere Lösungen?

Meadows: Unser Problem ist doch nicht eine zu geringe Produktion, sondern die ungerechte Verteilung. Wenn das heutige Sozialprodukt gerechter verteilt wäre, könnte jeder zufrieden sein. Das Vermögen der 358 reichsten Menschen der Erde ist größer als das jährliche Einkommen der 45 ärmsten Prozent der Menschheit. Solange diese Kluft besteht, können Kapital und Produktion noch so vermehrt werden - die Armut wird dadurch nicht besiegt. Ich glaube sogar, daß es uns dann schlechtergeht.

zeit: Was sollten Umweltschützer daraus lernen, daß heute die Arbeitsmarktprobleme wichtiger sind als die ökologischen Probleme?

Meadows: Der Fehler ist, den Umweltschutz als Feind von neuen Jobs zu betrachten. Das Gegenteil ist richtig: Umweltzerstörung vermindert die Produktivität und vernichtet Jobs.

zeit: Langfristig.

Meadows: Auch mittelfristig schon. Aber zugegeben, wenn jeden Abend im Fernsehen über die Aktienkurse berichtet wird, werden die fünf- bis zehnjährigen Trends leicht verdrängt.