zeit: Läßt die Globalisierung noch eine Kontrolle der globalen Trends zu?

Meadows: Überhaupt nicht. Schon der Wunsch, die Geschehnisse zu kontrollieren, basiert aber auf einem Irrglauben: darauf nämlich, man könne ein Problem analysieren und dann die richtige Lösung dafür finden. Daran glaube ich längst nicht mehr. Die Dinge sind viel zu komplex geworden. Wir sollten deshalb nicht danach streben, fehlerfreie Systeme zu entwickeln. Was not tut, sind dagegen Steuerungsinstanzen, bei denen Bedienungsfehler keine Katastrophen auslösen. Das heißt: Sie sollten relativ klein sein, und sie sollten unter lokaler Kontrolle stehen. Das ist so ziemlich das Gegenteil von den Megainstanzen, die derzeit das Weltgeschehen zu lenken versuchen.

zeit: Glauben Sie ernsthaft, daß solche Ratschläge Aussicht auf Gehör haben?

Meadows: Momentan nicht. Und die Geschichte lehrt im übrigen, daß oft nur Katastrophen der Anlaß zur Besinnung waren.

zeit: Das klingt nicht sehr optimistisch.

Meadows: Ich bin auch nicht optimistisch. Aber glauben Sie deshalb nicht, daß ich an den Weltuntergang glaube. Nach dem großen Rückschlag wird es vielleicht so aussehen wie in den fünfziger Jahren. Und damals war die Erde schließlich auch schon ein interessanter Ort.

Das Gespräch führte Fritz Vorholz