"Die letzten 5000 Afrikanischen Wildhunde kämpfen um ihr Überleben, weil Tüpfelhyänen ihnen die Beute wegfressen." So lautet die reißerische Feststellung der ZEIT. So eine Zeile in der Bild-Zeitung, und ich würde mich gar nicht groß aufregen. Von der ZEIT darf ich als Leser jedoch sorgfältigere Analysen und Berichterstattung erwarten.

Tüpfelhyänen und Afrikanische Wildhunde teilen sich seit Zigtausenden von Jahren den gleichen Lebensraum. Und ganz plötzlich, gegen Ende des 20.

Jahrhunderts, werden die einen zur Bedrohung der anderen? Wie haben sich die Afrikanischen Wildhunde nur zuvor gegen die "bösen" Tüpfelhyänen verteidigt?

Die Konkurrenz zu den Hyänen ist keinesfalls die Ursache für den Rückgang der Afrikanischen Wildhunde. Ein gesundes, großes Wildhunderudel kann seine Beute durchaus gegen Tüpfelhyänen verteidigen. Durch den Tod einiger Mitglieder können Wildhunderudel jedoch geschwächt werden und ihre Beute weniger gut gegen Konkurrenten verteidigen. Erst dann sind sie durch Tüpfelhyänen benachteiligt.

Die Ursache für die Schwächung der Wildhunderudel ist jedoch nicht bei den Tüpfelhyänen zu suchen, sondern vielmehr bei Homo sapiens. Durch die neue Nähe zum Menschen sind die Wildhunde nicht nur vermehrt neuen Pathogenen ausgesetzt, die ihnen schwer zusetzen (zum Beispiel Hundestaupe). Durch ihre spezielle Ökologie sind Afrikanische Wildhunde zudem von Habitatzerstörung und -fragmentierung viel stärker betroffen als Tüpfelhyänen oder Löwen.

Ökologische Ursachenforschung ist ein sehr komplexes Thema, viel zu komplex für einen Leserbrief und erst recht für den Elfzeiler zu diesem Thema in Ihrer Zeitung.

Wolfgang Goymann (Max-Planck-Institut) Seewiesen