Der ursprünglich für den Herbst anvisierte Start des neuen Billigablegers der Lufthansa für einen Teil des Deutschland- und Europaverkehrs verzögert sich. Dem Konzernvorstand gehen die Vorschläge einer Arbeitsgruppe für das geplante neue Unternehmen mit eigenem Management, Bordpersonal, Markennamen und eigenen Flugzeugen nicht weit genug. Doch Eile ist geboten: Ausgerechnet die Flüge vor der eigenen Haustür und ins benachbarte Ausland verhindern, daß die Erfolgsbilanz des obersten Lufthansaten Jürgen Weber noch glänzender ausfällt. Der Konzernchef dürfte seinen Aktionären für das Jahr 1997 erstmals einen Gewinn von fast einer Milliarde Mark präsentieren.

Die neue Airline soll die roten Zahlen auf den meisten Europastrecken und die dreistelligen Millionenverluste im Deutschlandverkehr reduzieren. Damit will Lufthansa den Dumpingpreisen des innerdeutschen Hauptkonkurrenten Deutsche BA Paroli bieten. Auf mittlerweile acht Strecken steigen inzwischen durchschnittlich vierzig Prozent der Passagiere in die Maschinen des Erzrivalen British Airways um. Zuletzt nahmen die Briten auf der Route von München nach Frankfurt mit Sonderangeboten ab 149 Mark pro Strecke erstmals die LH-Heimatbasis ins Visier.

Mit der Anweisung an die Arbeitsgruppe, die Vorschläge für die neue Billigmarke nochmals zu überarbeiten, will Weber einen erneuten Flop vermeiden. Die im Herbst 1994 vorschnell eingeführte Sparlinie Lufthansa Express wurde schon nach einem Jahr wieder eingestellt. Damals hatten die Lufthansa-Strategen die Wünsche ihrer Kunden falsch eingeschätzt. Außerdem wurde das angepeilte Einsparziel verfehlt.

Diesmal will man die Hausaufgaben richtig machen. Mehr als ein Drittel, so die Meßlatte des Vorstands, müssen die Kosten der neuen Gesellschaft runter.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollen in die Flotte von anfänglich sechs bis vierzehn Maschinen mehr Sitze eingebaut und mehr Flüge pro Tag absolviert werden. Die Kunden dürften die niedrigeren Ticketpreise mit einem abgespeckten Bordservice bezahlen. Weitere Bausteine des Sparkonzepts: Buchungen über Callcenter und Checkin per Kreditkarte am Automaten. Die Drehkreuze Frankfurt und München werden vom LH-Billigableger umflogen, bedient würden vorerst Strecken wie Berlin-Stuttgart oder Hamburg-Paris.