Für junge Rowdies und Rabauken liegt die Idee nahe, in die Bundeswehr zu gehen, um dort das Schießen und andere Formen der Gewaltanwendung zu lernen.

So könnten sie ihrer Neigung gleichsam legal frönen. Mehr als vierzig Jahre lang haben sie davon allerdings so gut wie keinen Gebrauch gemacht. Deshalb brauchen uns alarmistische Schlagzeilen wie jene der Süddeutschen Zeitung aus dieser Woche: "Rechtsextreme unterwandern die Bundeswehr", auch nicht um die Nachtruhe zu bringen.

Die Bundeswehr ist eine Armee in der Demokratie, keine Wehrmacht, keine Reichswehr und auch auf Bataillonsebene kein Freikorps wie in der Weimarer Republik. Das muß ungeachtet aller Peinlichkeiten an der Führungsakademie, die derzeit einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß beschäftigen (siehe nebenstehenden Artikel), und ungeachtet der landesweit bemerkten Tätlichkeiten von Soldaten außerhalb und der faschistischen Feiern innerhalb der Kasernen gesagt werden. Die Bundeswehr ist gewiß nicht besser als die bundesdeutsche Zivilgesellschaft. Aber den Beweis, daß sie nennenswert schlechter sei, hat auch noch niemand angetreten.

Jungnazis, die jetzt freiwillig dienen wollen, damit sie eine Schießausbildung bekommen, müssen erst einmal "auf Stube". Sie müssen in enger Gemeinschaft mit Kameraden leben, die in ihrer Mehrheit den militärischen Dienst nicht lieben, ihn aber aus Pflichtgefühl leisten oder aus Trägheit keinen Verweigerungsantrag gestellt haben. In solcher Umgebung fühlen sich Fanatiker nicht wohl.

Wenn die Altnazis wirklich glauben, ihre jugendlichen Volksgenossen der Gewaltkur politischer Meinungsfreiheit in den Kasernenstuben aussetzen zu können, sollen sie es doch versuchen. Der Bazillus der Freiheit ist selbst in einer Armee, die Disziplin und Gehorsam verlangt, allemal ansteckender als der Dumpfsinn von ganz rechts. Soll der Spieß sie melden, wenn sie im Dienst zum dritten Mal auffällig wurden. Einer allgemeinen Gesinnungsprüfung nach dem Muster des Radikalenerlasses aber sollten Wehrpflichtige, die sich zudem freiwillig melden, nicht unterzogen werden.

Es müssen schon rechtliche und gerichtlich nachprüfbare Kriterien sein, die es dem militärischen Dienstherrn erlauben - oder es gar für ihn zwingend machen -, einen Soldaten vorzeitig aus der Armee zu entlassen oder sein Angebot freiwilligen Dienens zu verweigern. Die Wehrpflicht ist auch eine Ehrenpflicht. Schlechte Gesinnung allein macht nicht ehrlos. Sie muß sich durch Straftaten manifestieren oder durch Verstöße gegen die im Soldatengesetz festgelegten Dienstpflichten - Kameradschaft, Disziplin, Gehorsam.