Am Anfang war die Ware. Die Ware schuf sich einen Markt. Wenn der Markt sich wandelt, muß auch die Ware sich verändern. Und wenn die Ware sich ändert, hat das Folgen für die Produktion.

Insofern kommt die Nachricht, daß der internationale Medienkonzern Sony in Zukunft deutsche Filme produzieren will, nicht unerwartet. Schließlich ist Deutschland der drittgrößte Kinomarkt der Welt, die Umsätze der Branche steigen, und einheimische Produkte sind nach Jahren der Flaute wieder gefragt. Die Summe, die der Konzern über seine Hollywood-Tochter Columbia Tristar bei uns anlegen will, ist da nicht gerade titanisch: hundert Millionen Mark, auf sieben Jahre verteilt, das entspricht jährlich drei bis vier Projekten mittlerer Budgetgröße. Sonys Konkurrenten, die Disney-Tochter Buena Vista und der Time-Warner-Ableger Warner Brothers, investieren auch nicht viel weniger.

Überraschend und vielversprechend dagegen ist die Wahl der Produktionsstätte.

Denn Columbia Tristar will nicht nur seine Spielfilmabteilung, sondern auch seine gesamte Fernsehproduktion in die ehemaligen Defa-Studios zu Babelsberg verlegen. Damit ist die Schlacht zwischen den drei großen deutschen Filmstudios entschieden: Berlin siegt vor München und Köln. Volker Schlöndorffs Prognose von 1995, sein Studio werde sich binnen zehn Jahren gegen die innerdeutsche Konkurrenz durchsetzen, hat sich frühzeitig bewahrheitet.

Natürlich kehrt der alte Ufa-Glanz mit Marlene, Murnau und Metropolis, von dem die Berliner seit Kriegsende träumen, nie mehr zurück. Aber mit der Sony-Investition ist ein Anfang gesetzt, aus dem bald neuer Glanz erwachsen könnte. Wo die Ware ist, da wird auch der Markt hinkommen. Berlin ist auf dem Weg, zur europäischen Filmhauptstadt zu werden.