BOTTROP

Abzuschiebende Asylbewerber sind ein Problem. Bei Ampelstopps versuchen sie zu türmen. Manchmal greifen sie unterwegs auch den Fahrer an. Auf der rund vierzig Kilometer langen Strecke von Bottrop bis zum Düsseldorfer Flughafen sei es schon zu allerhand "Zwischenfällen" gekommen, heißt es.

Um die Risiken solcher Gefahrguttransporte zu verringern, entschloß sich Bottrop zu einer öffentlichen Ausschreibung: Das "Amt für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, Fuhrpark" suche Anbieter "eines für den Transport von abzuschiebenden Ausländern geeigneten Kleinbusses". Die "Angebote sind in Deutscher Sprache abzufassen". Die Resonanz auf die Anzeige war enorm. Ein Ehepaar etwa zeigte sich interessiert, fragte aber vorher nach: "Reicht dem Amt für Abfallwirtschaft eine reinigungsfreundliche Schlichtausstattung?" Und genüge es, "das Angebot in deutscher Sprache abzufassen, oder ist die Groß-Deutsche Sprache unbedingt einzuhalten"?

Die meisten Reaktionen seien unfair gewesen, meint die Stadtverwaltung, und hätten aus der Kombination "Abfallwirtschaft, Stadtreinigung, abzuschiebende Ausländer" den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit und Menschenverachtung konstruiert. So meinte der Caritasverband eine "Analogie zum Unwort des Jahres 1997" zu erkennen und fügte hinzu: "Die Quote des Wohlstandsmülls in der Stadt Bottrop beläuft sich auf 15,4 Prozent." Dabei habe die Betonung des Textes doch nicht auf "Abfallwirtschaft", sondern auf "Fuhrpark" gelegen, wird entgegnet. Der sei für die Anschaffung von Fahrzeugen zuständig und nun mal beim Reinigungsamt angesiedelt. Auch die Vorschrift, daß die Angebote "in Deutscher Sprache" abzufassen seien, sei "aufgrund der Europäisierung des Marktes zunehmend notwendig". Im nachhinein bedauere nun die Stadt die Formulierung.

Inzwischen hat Bottrop eine neue Ausschreibung veröffentlicht, ohne "Zweckbestimmung" nur die gewünschte Ausstattung des Fahrzeugs wird beschrieben: Trennwand zwischen Fahrer und Fahrgastraum sowie Türen und Fenster, die sich nicht von innen öffnen lassen.