Ich spiele die Musik, die ich in einem Konzert gerne hören würde. Da sonst niemand diese Musik macht, spiele ich sie selbst."

Als der Gitarrist Eugene Chadbourne die alte Frage nach dem Wiesowoherwarum beantwortete, hätte er auch für seine Gitarrenkollegen Noël Akchoté und Marc Ribot sprechen können.

Nun treffen die zwei Amerikaner und der Franzose in wechselnden Duos aufeinander, mit Akchoté, dem "Gitarrenbesitzer", wie er sich selber nennt, als Kristallisationspunkt. Widerborstige Dialoge sind da entstanden, aufregende Essays für Elektrogitarren über eigene Themen und vier Kompositionen Ornette Colemans. Natürlich schwebt über allem dessen "harmolodische" Theorie, diese menschenfreundliche Lehre von der Gleichberechtigung aller musikalischer Parameter. Oder anders formuliert: Keine Macht für niemand.

Und so skizzieren sie sein "New York" als schwebendes Gedicht mit zarten Schraffuren, zupfen ein fröhlich hinkendes "Street Woman", setzen zu einem Django-Reinhardt-Hindernislauf an, streicheln "Body And Soul" gegen den Strich, schrummen hartnäckig Riffs aus dem Rockgefilde.

Das klingt zwar schräg, ist aber meilenweit entfernt von Parodie und Zitathumor. Es sind Miniaturen für Widerspenstige, Stolperstücke für das allzu Geläufige, ein Widerstand, der aus dem Herzen wächst. Verträumt schlendern sie durch die Melodien, wechseln leidenschaftlich gelangweilt die Harmonien, eine hellwache Mischung aus Balladen, Krach und Poesie.

"Für mich gehört die E-Gitarre zur Familie der Alltagsobjekte, die an eine Steckdose angeschlossen werden wie die Waschmaschine, der Staubsauger oder der Rasierapparat", bekennt der Franzose Akchoté und tummelt sich mit dieser "Alles ist mir täglich Kunst"-Theorie in den einschlägigen Zirkeln der Avantgarde.

Zugleich distanziert er sich von jenen Jazzgitarristen, die - brav, wie das Saxophon es vorgab - an traditionellen Improvisationsmustern weiterstrickten.