die zeit: Sie sind Vorstandsmitglied der ZEIT-Stiftung. Die plant, an einer privaten Law School in Hamburg eine Elite von Juristen heranzubilden. Ist Ihr Brötchengeber, die staatliche Universität, dazu nicht in der Lage?

Karsten Schmidt: Beschlossen ist noch nichts. Eines ist aber richtig: Wenn die Stiftung dieses Projekt in Gang setzt, dann nur als ein überschaubares Projekt für einen Kreis ausgesuchter Bewerber, das die Zukunft der Juristenausbildung exemplarisch verwirklicht. Das können die staatlichen Universitäten nicht. Die sind zwar viel besser als ihr Ruf, jedoch überfüllt und schwerfällig. Für die Zukunftsaufgaben benötigen diese gewaltigen Tanzbären einen eleganten Vorturner.

zeit: Müßte eine Ausbildungsreform nicht vor allem eine Prüfungsordnung zum Ziel haben, die weniger das Gedächtnis als die juristische Intelligenz abfragt?

Schmidt: Die juristischen Examina in Deutschland sind keine Abfrageprüfungen, sondern zielen auf Verständnis und die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Richtig ist aber auch, daß sich das hierfür erforderliche Rüstzeug rasend schnell verändert. Deshalb ist ein flexibles und anpassungsfähiges Zukunftsmodell der Lehre vonnöten. Die Juristenausbildung wird sich in den kommenden Jahren gewaltig verändern. Auch da wird der Vorturner gebraucht.

zeit: Im Moment haben wir zu viele Juristen. Weshalb also noch mehr ausbilden?

Schmidt: Seien Sie da unbesorgt. Das Konzept heißt: Qualität und Internationalität. Wir lassen uns nicht auf ein Experiment ein, das auf Kosten der Zukunft junger Menschen geht.

zeit: Sie wollen das anglo-amerikanische Juramodell kopieren. Wäre es nicht sinnvoller, dem deutschen Modell wieder auf die Beine zu helfen?