Wollen Sie wissen, wie ein cleverer Autofahrer an die billigste Versicherungspolice herankommt?" fragt Wolf-Dieter Baumgartl, Vorstandschef des Hannoveraner Assekuranz-Konzerns HDI. Die Antwort liefert er gleich selbst. Erster Schritt: Der Sparfuchs holt sich ein Angebot vom HDI, das etwa zehn Prozent günstiger als der Marktdurchschnitt ist. Zweiter Schritt: Mit diesem Angebot geht er zum Marktführer Allianz und bekommt die Police noch einmal zehn Prozent billiger. Am Ende bezahlt er für Haftpflicht und Kasko 20 bis 25 Prozent weniger als üblich. Und das mit dem vollen Service der Münchener Allianz. Da können auch die meisten Direktversicherer nicht mehr mithalten.

Wer sich die Mühe macht und Preise der Autoversicherer miteinander vergleicht, stellt ohnehin schnell fest: Den billigsten Anbieter gibt es heute nicht mehr. Die Zeiten, in denen neugegründete Direktversicherer die alteingesessenen Anbieter mit Dumpingpreisen vom Markt drängen wollten, sind vorbei. In Einzelfällen kann der Telephonversicherer doppelt so teuer sein wie ein Anbieter, der den Vertreter zum Kunden schickt. Hohe Anlaufkosten und ein gnadenloser Wettbewerb drücken auch bei den Direktversicherern spürbar auf die Gewinnspannen. Experten behaupten, daß außer den schon älteren Anbietern wie Hannoversche Leben, Cosmos und Deutsche Allgemeine derzeit kaum ein Direktversicherer Geld verdient. Die Kunden brauchen sich aber keine Sorgen um deren Zahlungsfähigkeit zu machen. Weil diese Versicherer meist Töchter finanzkräftiger Konzerne sind, können sie im Schadensfall ihre Verpflichtungen allemal erfüllen.

Für den Autofahrer gilt inzwischen: Versicherer, die für bestimmte Fahrzeuge konkurrenzlos günstige Beiträge verlangen, kassieren bei anderen Modellen über Gebühr ab. Dreh- und Angelpunkt für den Preis der Autoversicherung ist der Fahrzeugtyp. Fahrzeuge, die in den vergangenen Jahren durch wenige und weniger teure Schäden auffielen, kommen günstiger weg als solche Autos, für die der Versicherer tief in die Tasche greifen mußte. Auch das persönliche Fahr- und Parkverhalten spielt eine Rolle für die Höhe der Versicherungsprämie. Vielfahrer, Straßenparker und Männer zahlen mehr, Frauen, Wenigfahrer und Garagenbesitzer können ihre Haushaltskasse schonen.

Ein anderes wichtiges Kriterium für den Preis der Police ist die Anzahl der schadenfrei gefahrenen Jahre. Fahranfänger zahlen 240 Prozent der Basisprämie, alte Hasen mit mindestens 18 unfallfreien Jahren nur noch 30 Prozent.

Der bei Führerscheinneulingen beliebte Trick, das Auto als Zweitwagen des Vaters zum Beitragssatz von 125 Prozent zu versichern, funktioniert heute nicht mehr überall. Einige Versicherer, beispielsweise die Cosmos, gewähren für den Zweitwagen zwar höhere Nachlässe, beispielsweise auf 100 Prozent des Basispreises, jedoch nur für Ehepaare. Der Nachwuchs müßte in diesem Fall selbst dann 240 Prozent bezahlen, wenn Vater oder Mutter bereits Kunde der Gesellschaft sind. Routinierte Fahrer wiederum können Geld sparen, wenn sie sich eine Gesellschaft suchen, die den sogenannten Rabattretter im Schadenfall offeriert. Dabei wird der Kunde nach einem Crash zwar in eine ungünstigere Schadenfreiheitsklasse zurückgestuft, bleibt aber von einer Beitragserhöhung verschont. Üblicherweise muß der ursprüngliche Rabatt mühsam über viele unfallfreie Jahre wieder erfahren werden.

Neue Sparpotentiale werden sich Autofahrern von April an bieten, wenn die Versicherer ein komplett überarbeitetes Schutzbriefmodell anbieten. Der reformierte Notfallservice soll im Rahmen der Autohaftpflichtversicherung verkauft werden und nur noch rund dreißig Mark kosten. Für diesen Kampfpreis erhält der Kunde europaweit Pannen- und Unfallhilfe, Bergung, Abschleppen, Rücktransport eines fahruntüchtigen Autos, Versand von Ersatzteilen, die Unterstellung des Fahrzeugs, Kostenübernahme eines Mietwagens sowie der Hotelkosten während der Reparatur und nach einem Diebstahl.

Klar ist damit: Der heute übliche Schutzbrief, auch Verkehrs-Service-Versicherung genannt, zum Preis von rund neunzig Mark wird überflüssig. Besonders anspruchsvolle Kunden mit gut gefüllter Haushaltskasse können sich auch künf-tig mit einem Komfort-Schutzbrief eindecken, der zusätzliche Leistungen bietet. Die Allianz etwa schließt unter anderem eine zusätzliche Haftpflichtversicherung für Mietwagen im Ausland ein, D.A.S.