Ein tiefer Graben teilt unser Land, der Graben zwischen Schlagerfans und Schlagerhassern. Die Fans sind in der Überzahl, wie ein Blick ins Fernsehprogramm beweist. Das wäre nicht weiter schlimm, hätten die Liedchen nicht die heimtückische Eigenschaft, sich als Ohrwurm im Kopf festzusetzen.

Seit dreißig Jahren verschwenden kluge Menschen mit "Immer wieder sonntags" kostbaren Speicherplatz im Hirn, nur weil sie damals zu oft "Hitparade" geschaut haben. Der Schlager wurde geschmäht, verspottet und parodiert - es hat ihm nicht viel anhaben können.

Nun könnte der 26. Februar zum historischen Datum werden: Da tritt in Bremen Guildo Horn an und will zum deutschen Vertreter beim diesjährigen Grand Prix Eurovision in Birmingham gekürt werden. Der Mann mit dem fettigen Strähnenhaar und dem Schmerbauch zieht den deutschen Schlager gnadenlos durch den Kakao. Seine Chancen stehen gut, denn der Sieger wird von den Zuschauern per Telephon ermittelt. Und Guildo Horns Anhängerschaft ist wohlorganisiert: Überall im Land finden Partys statt, zu denen Handybesitzer freien Eintritt haben. Guildos TED-Triumph wäre eine süße Rache der stets gepeinigten Minderheit an der schlagerseligen Mehrheit.