Aufbruchstimmung in Baden-Württemberg: Das Land ist demnächst um zwei Privatuniversitäten reicher. Damit soll die universitäre Misere gleich an zwei Fronten bekämpft werden. Zum einen sollen die Neugründungen den schwerfälligen Staatshochschulen vormachen, wie es bessergehen kann. Und zum anderen können sie den Hochschuletat entlasten, wenn sie Bildungs- und Ausbildungsaufgaben in die eigene Regie nehmen.

Vor allem letzteres mag eine Rolle gespielt haben bei dem Eifer, mit dem Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel sich für die diversen privaten Projekte in seinem Land ins Zeug gelegt hat. Nachdem ein rigides Sparprogramm an den staatlichen Hochschulen Baden-Württemberg schlechte öffentliche Zensuren für die Bildungspolitik eingebracht hatte - so mochte das Kalkül ausgesehen haben -, soll das Ländle nun mit innovativem Glanz herausgeputzt werden.

Doch der fröhliche Schwung hat nicht lange vorgehalten. Zwar fiel nach zermürbenden Kämpfen zwischen insgesamt fünf Kandidaten schließlich die Wahl auf das Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) und die International University in Bruchsal. Doch die Hoffnungen auf Entlastung des Staatssäckels sind geplatzt. Denn die lokalen Wirtschaftsbosse wollen sich nur dann an den Projekten beteiligen, wenn die Regierung ihrerseits Geld zuschießt. Und dieses Geld, so die Pointe, wird wiederum von den staatlichen Hochschulen eingefordert.

Sollen nun also die konventionellen Universitäten auf Kosten der neuen Glanzlichter beschnitten werden? Und verkehren sich damit die positiven Impulse, die von den "Privaten" eigentlich ausgehen sollten, nicht geradezu in ihr Gegenteil? Das Dilemma besteht überall. Privathochschulen werden wohl immer nur dann rein von der Wirtschaft finanziert, wenn sich die Investitionen später für diese rentieren. Hochschulen aber, die eigene Ansprüche an sich und ihre Studenten stellen, sind - bislang jedenfalls - nicht privat finanzierbar. Ein Beispiel dafür ist die Universität Witten/Herdecke, deren Unterhalt vom Land Nordrhein-Westfalen seit Jahren - zähneknirschend - mitbestritten wird.

Solange sich daran nichts ändert, sollten es sich die darbenden Bundesländer gründlicher überlegen, ob sie sich den Schmuck privater Qualität wirklich leisten können.