Seit 470 Jahren streiten sich die Theologen beider christlicher Kirchen darüber, ob der Mensch vor Gott allein durch den Glauben bestehen kann (Luther) oder ob es dazu noch guter Werke bedarf (Katholiken). Dieser Streit mag zu einer Zeit berechtigt gewesen sein, da Tetzel seine Ablaßzettel vor Menschen verkaufte, denen Priester Höllenängste eingeflößt hatten. Aber müssen wir Heutigen immer noch fragen, ob wir "einen gnädigen Gott kriegen"?

Haben die jahrelang mit Steuergeldern ausgebildeten Theologen in der Zeit der leerer werdenden Kirchen keine anderen Sorgen? Lesen sie eigentlich noch die Bibel dem Inhalt nach oder erschöpfen sie sich in Wortklaubereien?

Georg Glünder, Kaufbeuren

Als ich letztes Jahr in Nicaragua eine Marktfrau kennenlernte, fragte sie mich, was ich denn in ihrem Land mache, und ich erzählte ihr von unserem Straßenkinder-Hilfswerk. "Oh", sagte sie mit großen Augen, "wenn ihr euch hier um unsere Straßenkinder kümmert, kommt ihr ganz bestimmt in den Himmel!"

Meine verblüffte Antwort: "Und du bist ganz bestimmt katholisch, weil du das meinst." Was sie strahlend bejahte: Das Heilige Kind Jesus sei ihr Freund und Helfer ... Und ich sagte, der sei auch mein Freund und Helfer, wenn auch mehr der Mann am Kreuz - und ich gedächte allerdings, in den Himmel zu kommen, aber wegen dieser Freundschaft, nicht wegen des Hilfswerks, das sei aber mein Dank an Jesus für seine Freundschaft, weil er doch gesagt hat, wer ihm hilft, der hilft sich. Ob sie mich völlig verstand, weiß ich nicht. Wir verabschiedeten uns sehr liebevoll - geschwisterlich.

Alheide Siess, Ettlingen

Vielen Christenmenschen wird Ihre Erläuterung der Diskussion um eine Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre, die von Vatikan und Lutherischem Weltbund gemeinsam "ratifiziert" werden soll, sehr nützlich sein. Aber aus der Erklärung wird ja nun nichts werden. Denn inzwischen haben mehr als 140 Theologieprofessoren - darunter allseits hochbeachtete Vertreter ihres Faches - ihr öffentliches, deutliches "Nein" dagegengesetzt.