Volker Rühe hat in den fast sechs Jahren auf der Hardthöhe vieles richtig und wenig richtig falsch gemacht. Zur Zeit aber läßt die Fortüne ihn im Stich. Wie einer, der plötzlich die Balance verloren hat, kommt der Verteidigungsminister aus dem Stolpern nicht heraus: Er macht vieles nur noch halbrichtig - und damit leider oft falsch.

Die öffentlichen Aktivitäten seines Amtes, so scheint es, dienen ihm vornehmlich dazu, sein durch die Fehler anderer, aber auch durch die unzureichende innere Führung stumpf gewordenes Image wieder aufzuhellen.

Öffentliche Gelöbnisse sollen von den eigenen Schwierigkeiten ablenken und außerdem in Wahlkampfzeiten Zweifel am Verteidigungsengagement der Opposition säen. Hektische Umbesetzungen der Generalität sollen angesichts rechtsradikaler Vorkommnisse in den Streitkräften den Eindruck straffer Entschlossenheit erzeugen.

Daß Wehrpflichtige durchaus auch feierlich-öffentlich dem Vaterland ihren Dienst geloben, wer wollte es verurteilen? Daß der Primat der Politik auch und besonders in der Bundeswehr gelten muß, wer wollte es in Abrede stellen?

Nur gerät bei Rühe beides zur Peinlichkeit. Mal sind es die Motive, die nicht recht überzeugen, mal ist es die Form, die einfach nicht paßt, wie ein verrutschter Helm beim Appell.

Die gleiche Kluft zwischen Tat und Kontext tut sich bei Rühes jüngster Personalentscheidung auf, der Ankündigung nämlich, daß General Hans-Peter von Kirchbach im April 1999 neuer Generalinspekteur der Bundeswehr werden soll.

Kirchbach ist nicht nur ein erfahrener, wohlangesehener Soldat, er hat auch die Hilfsaktion der Bundeswehr bei der Oderflut im vergangenen Sommer eindrucksvoll befehligt.