Das ist an sich eine gute Wahl. Und doch macht sie stutzig. Noch nie in der vierzigjährigen Geschichte der Bundeswehr ist der oberste Soldat und erste sicherheitspolitische Berater von Kanzler und Verteidigungsminister so früh benannt worden. Eine sachliche Notwendigkeit dazu gibt es nicht, im Gegenteil. Das Amt wird die nächsten dreizehn Monate lang noch von einem Vertrauten Rühes, Hartmut Bagger, wahrgenommen. Im übrigen sind im kommenden September Bundestagswahlen: Gutem demokratischen Stil hätte es entsprochen, dieses wichtige Amt nicht vor der Wahl der neuen Regierung für Jahre danach zu besetzen. Sosehr man nach sachlichen Gründen forscht, es bleibt nur eine Erklärung: Die voreilige Benennung des populären Generals soll auch die Popularität des Ministers aufpolieren. Der Oder-Einsatz der Bundeswehr war Rühes schönste Stunde. An sie will er durch die Beförderung des Helden der Oderflut anknüpfen, koste es, was es wolle.

Ohne Kosten aber wird es nicht ausgehen. Für den amtierenden Generalinspekteur, dessen Autorität schwindet. Für General Kirchbach, der doch gar nicht sicher sein kann, ob eine neue Regierung Rühes Beschluß bestätigt. Für die Bundeswehr, die sich wieder einmal politisch benutzt fühlen muß. Und für Volker Rühe, der klug genug sein sollte zu erkennen, daß sein Aktionismus allzu durchsichtig ist.