Li ko na ti pu de - das ist zuviel für Katharina. Eigentlich sollte sich die Zehnjährige sechs vorgesprochene Silben merken und nachsprechen können.

Aber obwohl sie normal begabt ist, schafft sie gerade vier. Das Mädchen geht in die vierte Klasse einer Hamburger Grundschule. Katharina liest stockend, ohne Sinn. In Diktaten ist sie ziemlich schlecht. Das soll sich ändern, deshalb ist sie heute mit ihrer Mutter zu Fred Warnke in die Wedemark bei Hannover gekommen. Im ersten Stock seines Hauses hat er die Gäste in einen schmalen Raum mit langer, heller Couch gebeten über der Lehne hängen mehrere Kopfhörer.

"Legasthenie" hatte Katharinas Kinderarzt diagnostiziert. Bei Warnke fällt dieses Wort nicht. "Zentrale Hörprobleme" nennt er sein Fachgebiet, obwohl die Kinder, die er prüft, unter Lese- und Schreibschwierigkeiten leiden. Und ob sein Gebiet nun eher zur Phoniatrie, Psychologie oder Hals-Nasen-Ohren-Medizin gehört, das kümmert ihn wenig. Er kommt aus einem ganz anderen Bereich: Lange Jahre arbeitete er bei der Akustikfirma Sennheiser dort engagierte er sich in der Entwicklung von Medizintechnik für Schwerhörige. Zum Beispiel, vor zwanzig Jahren, die Mikroport-Technik: Mittels drahtloser Tonübertragung konnten damit zum ersten Mal schwerhörige Schüler ihre Lehrer gut hören und Regelschulen besuchen.

Doch auch wenn das Gehör eigentlich tadellos funktioniert, können Kinder unter Hörproblemen leiden, dann nämlich, wenn die Verarbeitung der akustischen Signale gestört ist. Anfang der neunziger Jahre machte Warnke, Vater von vier Kindern, sich mit solchen "zentralen Hörproblemen" ausgiebig vertraut - und schließlich selbständig. Nun verkauft er Geräte, die er, wie Warnke selbst zugibt, "zunächst eher intuitiv entwickelt" hat.

Katharina hat den Platz auf der Couch eingenommen, Warnke gegenüber - genau wie schon etwa 700 Kinder vor ihr. Ihre Mutter sitzt daneben und hält eine Checkliste in den Händen. Darauf soll sie bei all jenen Tests ein Kreuz machen, bei denen Katharina schlecht abschneidet. Ein Kreuz kommt auf jeden Fall neben die Silbenübung, den Test zur Merkfähigkeit, Punkt sechs. Punkt sieben heißt: auditive Ordnungsschwelle. Bei diesem Test senden die Kopfhörer je einen "Klick" schnell hintereinander in das rechte und das linke Ohr.

Katharina gibt an, auf welchem Ohr sie den ersten Ton gehört hat. Fred Warnke protokolliert ihre Antworten. "Bis 160 tausendstel Sekunden Abstand ist sie sicher, dann überwiegen die Fehler - altersgerechte Werte liegen bei 40 bis 50 tausendstel Sekunden." Also auch hier ein Kreuz.

Ulrich Hoppe von der HNO-Klinik der Universität des Saarlandes bestärkte kürzlich mit einer Studie die Vermutung, daß eine erhöhte Ordnungsschwelle mit Sprachauffälligkeit einhergeht. Ähnliche Zusammenhänge werden in Amerika untersucht: Die Psychologin Paula Tallal und der Gehirnforscher Michael M.