Auf die Schmuckleiste, die sie nach Bonner Vorstellungen zieren sollte, haben die Institute bewußt verzichtet. Centers of excellence? Bei allem Trachten nach akademischer Höchstleistung, so anspruchsvoll wollten sich die Zentren für deutsche und europäische Studien denn doch nicht präsentieren. An den amerikanischen Universitäten, an denen sie angesiedelt sind, gilt Vorzüglichkeit ohnehin als selbstverständlich. Genau aus diesem Grunde hat sich die Bundesregierung schließlich auch in Berkeley, Harvard und Georgetown mit Steuergeldern engagiert.

Als Ziel der Förderungsaktion nennt Werner Weidenfeld, die "Architekten des Symbolhaushaltes an den Elite-Universitäten" im deutschen Interesse anzusprechen. Was der Münchner Politologe vor rund einem Jahrzehnt im Auftrag des Bundeskanzlers zu organisieren begann, hat sich inzwischen längst etabliert. Seit Anfang der neunziger Jahre gibt es Schwerpunkte für deutsch-europäische Forschung und Lehre an den drei Universitäten, die zu den besten Amerikas zählen. Rund 30 der insgesamt eingeplanten 45 Millionen Mark aus Bonner Kassen sind mittlerweile ausgegeben worden. Mit Erfolg, wie eine internationale Prüfungskommission des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in einer Halbzeitbilanz vor zwei Jahren feststellte: "... eine lohnende Investition der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik, deren vergleichsweise geringer finanzieller Aufwand einen hohen und langfristigen kulturpolitischen Ertrag nach sich ziehen wird".

Dennoch, deutsches Geld für amerikanische Universitäten in einer Zeit, da den Hochschulen hierzulande der geistige und materielle Bankrott droht? Großzügigkeit nach außen bei gleichzeitiger Knauserigkeit nach innen? Der Widerspruch reizt zur Kritik. Sie prägt denn auch die - erstaunlich wenigen Reaktionen, die es bisher auf das kulturpolitische Experiment der Bundesregierung gegeben hat. Alle Einwände lassen jedoch ein Problem unberücksichtigt, das ein Student der Washingtoner Georgetown University in die Frage kleidet: "Wie wollen Sie es heute schaffen, die amerikanische Elite für Deutschland zu interessieren?" Das fällt in der Tat schwer. Die Bundesrepublik wie Europa überhaupt haben die Phantasie der Amerikaner derzeit nicht gerade beflügelt. "Zu unbeweglich", "wenig aufregend", "weithin passé" lauten die einschlägigen Urteile und Vorurteile.

Könnten sich unter diesen Umständen die 1,5 Millionen Mark (so viel bekommen auch die beiden anderen Universitäten), welche die Georgetown University eine Dekade lang jährlich aus Bonn erhält, nicht als eine gute Investition erweisen? Die deutschstämmige Studentin Julia - "Ich fühle mich wie eine europäische Missionarin" - hegt daran gar keinen Zweifel: "Hier wird eine neue Generation an Europa herangeführt." Ohne die Bonner Zuwendungen gäbe es weder das Zentrum für deutsche und europäische Studien noch fünf Professorenstellen für Europa-Experten, noch den Studiengang Master in German and European Studies. An einer Universität, die mehr Regierungsbedienstete auch Bill Clinton studierte hier - stellt als Harvard und Yale zusammen, ist das gewiß ein Pfund, mit dem die Bundesrepublik wuchern kann.

An der "ersten globalisierten Universität", wie sich Harvard preist, trägt das deutsche Geld nicht ganz so sichtbare Früchte. Es gibt kein Deutschland-Institut und keine Professur, die sich vornehmlich mit deutschen Fragen beschäftigt. Von Bonn finanziert wird das Program for the Study of Germany and Europe, das in das Zentrum für Europäische Studien eingegliedert ist. Sitz ist der Minda-de-Gunzburg-Bau, eine der elegantesten Lehrstätten Harvards. Er ist Anlaufstelle für internationale Wissenschaftler und Treffpunkt für rund ein Dutzend Studiengruppen, die sich mit der Bundesrepublik und Europa auseinandersetzen. Ein Ertrag des Bonner Engagements: Seit Beginn der Finanzierung hat sich die Zahl der Dissertationen in Geschichte und Politikwissenschaft mit deutschen Themen an der Harvard-Universität und dem Massachusetts Institute of Technology (das an dem Deutschland-Programm beteiligt ist) verdoppelt.

Die DAAD-Prüfungskommission bezeichnet die Qualität der Doktoranden als "hervorragend". Kein Wunder, denn sie haben in Harvard außergewöhnliche Forschungsmöglichkeiten, und auch bei ihren Studienreisen gen Deutschland stehen ihnen alle Türen offen. "Das Zentrum verschafft uns eine Menge Verbindungen", lobt ein Student; wahrscheinlich auch deshalb, weil sich in Harvard mehr prominente Vertreter der deutschen Öffentlichkeit sehen lassen als an irgendeiner Universität in der Bundesrepublik.

Als Helmut Kohl vor sieben Jahren das dritte von Bonn finanzierte Uni-Zentrum in Amerika eröffnete, nannte er als Vorgabe, "die atlantische Brücke um eine weitere Fahrbahn für den kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zu erweitern". Der "Brückenkopf" Berkeley verspricht besonderen Ertrag. Die beste staatliche Hochschule des Landes liegt an der Westküste, und hier scheint sich Europa immer weiter zu entfernen. Ein Drittel der Studenten in Berkeley sind asiatischer Herkunft, Länder wie Japan oder Taiwan nehmen mit Spenden Einfluß auf das kalifornische Universitätssystem. Der deutsche Einsatz wirkt, verglichen mit den asiatischen Millionen, bescheiden. Aber Gerald Feldman, der Direktor des Berkeley-Instituts für Deutsche und Europäische Studien, versucht dennoch eine "kritische Masse von Professoren und Studenten" heranzubilden, die Europa auch im Westen Amerikas auf die akademische Landkarte setzt.