Viele Briten hat es eben kalt erwischt. Vor einigen Monaten wetteten sie noch süffisant, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Euro scheitern würde. Jetzt will die Regierung von Tony Blair das Gemeinschaftsgeld sogar als paralleles Zahlungsmittel einführen: Unternehmen dürfen ab 1999 ihre Bücher in Euro führen, Aktien in Euro ausgeben und Steuern in Euro zahlen. Weltweit agierende Konzerne wie Siemens, ICI und die BMW-Tochter Rover wollen schon bald Rechnungen in der neuen Währung schreiben. Wem werden sie ihre Bankgeschäfte anvertrauen?

Für London hängt jetzt viel davon ab, wie schnell die City ihren Spätstart wettmachen kann. Nur ganz selbstbewußte Optimisten glauben, daß London sich ganz von selber als Finanzplatz vor den Ufern des Euro-Lands behaupten wird. Sie verweisen darauf, daß London schon immer ein ungewöhnlicher Finanzplatz gewesen sei: Anders als Tokio und New York war die City nie so richtig von ihrem Hinterland abhängig - sondern eher eine einsame Insel für Finanzcracks, Spezialdienstleister, Juristen und ihre Kundschaft aus aller Welt.

"Wenn der Euro kommt, brauchen die Kunden doch erst recht viel Beratung", meinte kürzlich der Chief Executive einer großen Londoner Investmentbank. "Das wissen alle: Die Experten dafür sitzen in London."

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