BONN

Den roten Nicki von Gunnar Stevens ziert ein Streik-Button. Die Löcher in der Jeans sind echt und keine Mode. Lange Haare, na klar, der 27jährige ist Student. Informatik in Bonn im 13. Semester. Auch wenn die Partei und er augenscheinlich nicht zusammenpassen, Stevens war FDP-Mitglied.

Der Kreisverband Bonn begrüßte ihn am 14. Januar "recht herzlich" als neues Mitglied. Unterzeichnet hat das Schreiben der Kreisvorsitzende Guido Westerwelle. Keine zehn Tage später ist Stevens' liberale Parteilaufbahn wieder zu Ende. "Der Kreisverband hat ... beschlossen, Sie nicht in die Freie Demokratische Partei aufzunehmen", teilt ihm Westerwelles Stellvertreterin mit. Per Einschreiben, ohne Begründung.

Stevens ist einer von bundesweit etwa 3000 bis 4000 Studenten, die in den vergangenen Wochen einen Mitgliedsantrag für die FDP ausgefüllt haben. In Berlin heißt das Projekt "Absolute Mehrheit". In Tübingen engagieren sich Studenten "Für die Pildung". In Köln lautet das Motto: "Wir kaufen 'ne Partei - mit drei Mark dabei." Stevens sammelt in Bonn die "Freunde demokratischer Bildung", FDB, und droht der liberalen Partei: "Wir kommen."

Die Idee für die Aktion - runter von der Straße, rein in die Partei - wurde im Internet geboren, dort, wo die Studenten, seit sie streiken, vornehmlich kommunizieren. In Berlin hat der Plan der wahlliberalen Parteiübernahme bislang die meisten Schlagzeilen gemacht.

In der Hauptstadt hat die FDP etwa 2700 Mitglieder. 3000 Studenten würden also reichen, so das Kalkül, um die Partei "zu übernehmen". Bei insgesamt 130 000 Studenten in Berlin schien das keine unlösbare Aufgabe. Nur jeder 43. Student müßte sich beteiligen.

So viel Berechnung hatte man den streikmüden Studenten offensichtlich gar nicht zugetraut. Als Generalsekretär schickte Guido Westerwelle seine Warnung aus Bonn: Die Freidemokraten seien kein Freibad, in das man sich so einfach Zutritt verschaffe. Sein Berliner Kollege, FDP-Chef Martin Matz, selbst erst seit vier Jahren der Uni entwachsen, zeigte immerhin gute Miene zum pfiffigen Spiel. Die jungen Leute, befand er nach einem Besuch bei den Aktivisten, seien doch ernsthaft bei der Sache. Und die mitglieder- und alterssieche Partei könne Verjüngung vertragen.