Die verfahrene Lage hindert die amerikanische Regierung aber nicht daran, Druck auf andere Industrieländer auszuüben, sich für Nachschlüssel zu entscheiden - auch die Bundesrepublik spürt das.

Die Pläne für Pluto sind seit über einem Jahr bekannt. Daß jetzt darüber diskutiert wird, hat natürlich mit der Diskussion über den Lauschangriff zu tun. Die Strafverfolger fürchten, ihre neuen Abhörbefugnisse könnten sich als stumpfe Waffe erweisen, wenn die Kriminellen nur unentwirrbares Kauderwelsch über die Leitungen schicken. Nur eine staatlich geregelte Verschlüsselung inklusive Hintertürchen könne den internationalen Banden das Handwerk legen, so die Argumentation. Doch daß Mafia und Drogenhändler brav ihren Krypto-Schlüssel beim Staat hinterlegen würden, kann selbst der naivste Staatsschützer nicht glauben. Für solche Kreise gibt es längst Verfahren, verschlüsselte Dateien in Bild-Dateien zu verstecken, so daß der Lauscher gar nicht merkt, daß in einem harmlos erscheinenden Photo noch brisantere Informationen übertragen werden.

Und selbst wenn die Behörden erkennen, daß ein Verdächtiger unerlaubte Krypto-Methoden verwendet - entschlüsseln können sie die Nachrichten noch lange nicht. Internationale Drogenkuriere überbringen mittlerweile auch sogenannte One-Time-Pads - Kryptographie-Schlüssel, die nur einmal benutzt und danach weggeworfen werden. Dagegen ist jeder Geheimdienst machtlos.

Mitarbeit: Ludwig Siegele

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