Hannover

Ganz ernst wird er jetzt, fast pathetisch. Jeder soll mithelfen an seinem Platz, sagt der Mann, der gern Kanzler werden möchte, zum Schluß seiner Rede, "Sie an Ihrem und ich an meinem", um dann, fast hätte er es vergessen, noch ins Mikrophon zu hauchen, "wo auch immer".

Gerhard Schröder, man weiß es, will nicht nur als Ministerpräsident in Hannover bestätigt werden. Sein Appell ans Publikum lautet vielmehr, sie möchten am 1. März diejenigen aufs Altenteil schicken, "die nach langer Zeit nicht mehr fähig sind, vernünftig zu denken und zu handeln". Er möchte auf Helmut Kohls Stuhl.

Kohl hat die Wahlen im Lande beinahe zu einem Plebiszit gemacht. Im Fall eines Debakels für den Kanzler könnte das fast automatisch die Debatte erzwingen, ob Wolfgang Schäuble nicht doch noch in letzter Sekunde einspringen soll. Und Schröder probt. Er testet sich und seine Sätze für höhere, größere Zwecke. Aber die Leitmelodie hört man schon heraus, die er anstimmen würde, wenn die niedersächsischen Landtagswahlen zu einem erfolgreichen Plebiszit zugunsten des Kandidaten Schröder werden.

Helmut Kohl, den er manchmal den "Dicken" genannt hat, respektiert er, wenn er ihn inzwischen nicht gar bewundert. Viel früher galt die Bewunderung Willy Brandt, die dann allmählich auf Helmut Schmidt überging. Es gibt ja unerwiderte Lieben im Leben.

Also sagt Schröder: Übers Land hat sich Mehltau gelegt, "und dieser Mehltau muß weg". Wir würden von Dilettanten regiert, schimpft er gelegentlich auch. Für fünf Millionen Arbeitslose verantwortlich, und mir wollen sie im Streit um den Verkauf der Preussag Ratschläge erteilen, was ordnungspolitisch erlaubt ist!

Der Mehltau namens Kohl packt den Stier schon etwas mutiger bei den Hörnern. Er will "den Leuten in Niedersachsen direkt sagen", erklärt er den Leuten in Niedersachsen, sie sollten "Schröder abwählen". Klar, es geht um Landtagswahlen. Vom möglichen Rivalen bei Bundestagswahlen spricht Kohl nicht. Ist mir doch egal, wer das wird!