Eigentlich wollte Christian Josam Verlagskaufmann werden. Doch vor zwei Jahren fragte man ihn, ob er beim Aufbau der Internet-Ausgabe des Greenpeace-Magazins helfen wolle. Seine einzige journalistische Erfahrung bestand damals aus einem Praktikum in der Pressestelle von Greenpeace. Josam sagte zu und ist heute einer von fünf Online-Redakteuren bei den Öko-Aktivisten.

Seit immer mehr Printmedien online gehen, sind die Chancen größer geworden, über die Hintertür in die Zunft der Journalisten einzutreten. Online-Redakteure können häufig weder ein Volontariat vorweisen, noch haben sie je eine der vielen Kaderschmieden für Journalisten von innen gesehen. Die Journalistenverbände mit ihren hehren Idealen beobachten diese Verwilderung ihres Berufsstandes bereits mit Sorge. Schließlich kann im Internet geradezu jeder Journalismus betreiben. Allerdings sind im Netz keine tiefschürfenden Leitartikel gefragt, sondern appetitliche und leicht verdauliche Häppchen.

Online-Redakteure sollten deswegen knapp und präzise formulieren können damit die Leser nicht davonsurfen. Und sie müssen schnell sein: Für die Internet-Ausgabe des Handelsblattes ist dreimal täglich Redaktionsschluß; die Journalisten der Bild-Zeitung müssen ihr gesamtes Web-Angebot zwischen 18.00 und 21.00 Uhr fertigstellen. Nicht selten verbringen Online-Redakteure sowieso den größten Teil ihrer Arbeitszeit mit dem Sammeln und Prüfen von Material, mit der technischen Aufbereitung von Informationen sowie mit der Beantwortung von Leser-E-Mails. Journalistische Fabulierkunst ist da kaum gefragt.

Die Anforderungen an den Online-Redakteur unterscheiden sich allerdings von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz erheblich. Vor allem wenn man auch die vielen Behörden, Institutionen und privaten Unternehmen miteinbezieht, die sich im Internet präsentieren wollen. Während von dem einen Online-Redakteur lediglich erwartet wird, daß er die Internet-Sprache HTML beherrscht, soll der andere über fundierte Fachkenntnisse verfügen, betriebswirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, visuell denken und eigenständig Projekte entwickeln und umsetzen können.

Die unterschiedlichen Erwartungen machen es schwer, klare Ausbildungsinhalte festzulegen. Bisher gab es denn auch lediglich die Möglichkeit, in einer Journalistenschule das alte Handwerk zu lernen und sich ein paar Zusatzkenntnisse über das Internet anzueignen. So zeigt die Henri-Nannen-Schule in Hamburg ihren Schülern nebenbei auch, wie man online recherchiert. Außerdem lernen sie, wie man eine Web-Site baut und gestaltet. Und die Axel-Springer-Journalistenschule bietet Praktika bei Zeitungen mit Online-Redaktionen an.

Irgend jemand muß die vielen Seiten im Netz füllen

Seit Ende vergangenen Jahres gibt es aber auch eine eigenständige Fortbildung zum Online-Redakteur. Die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Mainz hat einen Lehrgang gestartet, der aus fünf sogenannten Modulen besteht. Jedes Modul dauert fünf Tage, von Montag bis Freitag, acht Stunden täglich. Themen der fünf Blockseminare: Online-Grundlagen, HTML-Programmierung, Schreiben und Recherche im Netz, Recht sowie Marketing im Internet. Wer alle fünf Blöcke durcharbeitet, der kann sich ein Zertifikat über den Bildschirm hängen.