Nirgendwo auf dem olympischen Parcours sind die Lehnen höher und die Polster weicher als in diesem Theater. Sechshundert Plätze, ein geräuschgedämpftes, fensterloses Atrium, ohne Blick nach draußen. Im Saal der IOC-Pressekonferenzen ließ es sich gut aushalten, als das Gewitter vom Pazifik her Regenmassen nach Nagano brachte.

Draußen begann der Schnee zu schmelzen, von den Starkstromkabeln über den Dächern und Straßen fiel das Wasser in dicken Tropfen, während drinnen ein Mann in schwarzem Mantel gemessenen Schrittes die mit einem Tisch karg möblierte Bühne betrat.

An anderen olympischen Tagen hatten die Vorstellungen in diesem Hause nicht allzuviel hergemacht. Briefings, mäßig dramatisch, statt Emotionen nur tonlose Kommuniqués. Und diesmal? Ciao a tutti! Schimmerndes Gel im Lockenhaar, das Gesicht gebräunt, von der Sonne Italiens verwöhnt oder von welcher auch immer.

Ciao a tutti! Mochte draußen die Welt untergehen, mochten die Skipisten von Hakuba und Yamanouchi im Winde verwehen - Grande Alberto war da, gab den Bajazzo. Alles schien gut, wenigstens für die Dauer von 45 Minuten.

Die meisten Liebesgeschichten enden an einem Bahnhof, in Nagano beginnen sie dort. Auch Alberto Tomba, seit Calgary 1988 im olympischen Dienst und bislang dreimal mit Gold dekoriert, war für das letzte Stück des Weges aus Italien in Tokio in den neuen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen gestiegen. Als der Meister in der Olympiastadt eintraf, spielten auf der Bühne der Music Volunteers in der Bahnhofshalle zwei Mädchen auf einem Klavier. Johann Strauß, vierhändig. Ob ihm diese Darbietung eine gewisse Entrücktheit verschafft hatte?

"Alberto, wie sind Ihre Chancen?" - "Könnte Sie Snowboard reizen?" Im Theater der Pressekonferenz bohrten sich Tomba die Mikrophone mit den allfälligen Fragen nur so entgegen. Doch der Mann aus Bologna blieb ganz ruhig. "Jeder Tag ist anders", empfahl er mit rauchiger Stimme. Ergebnislisten seien nicht alles im Leben. Zu schnell gehe die Jugend dahin, dann komme das Alter. "Ich bin jetzt 31, ich bin müde." Dann kam er, nach einigen quälend langen Sekunden, doch noch zum Eigentlichen: "Dann bis Mittwoch, ciao!"

Gott sei Dank, in Alberto brannte das Feuer noch immer. Er glaubte an sich und auch an die Wettkämpfe da draußen in den japanischen Bergen. Gänzlich unbefangen hatte er das Datum des Riesenslaloms erwähnt, Tomba, der Glückliche. Aber er war ja auch ganz neu in der Stadt.