Freitag abend, eine anstrengende Arbeitswoche geht zu Ende. Doch Gerhard Grandke wirkt kein bißchen abgespannt, im Gegenteil, es scheint den Offenbacher Oberbürgermeister eher aufgeputscht zu haben, wie er mit einer unkonventionellen Idee alle Welt aufgescheucht hat - Beamtenfunktionäre, Gewerkschafter, Politiker. "Jetzt haben die einen Beißknochen", amüsiert sich der Zweimetermann mit der barocken Leibesfülle, an der alle Attacken folgenlos abzuprallen scheinen.

Etwas noch nie Dagewesenes hat Sozialdemokrat Grandke angekündigt: Sämtliche städtischen Angestellten, die jünger als 45 Jahre sind, will er zu Beamten machen, das sind derzeit 390. Zehn Millionen Mark Personalkosten pro Jahr könne Offenbach so sparen, da für Beamte keine Beiträge zur Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen sind. Im Schnitt, hat Grandke ausgerechnet, kostet ein Beamter die Stadt im Monat rund 1800 Mark weniger als ein vergleichbarer Angestellter. Aufgrund der geringeren Abzüge bleibt dem Beamten dennoch ein um 200 bis 600 Mark höheres Nettogehalt.

Die Hälfte der eingesparten zehn Millionen Mark will Grandke zur Haushaltssanierung verwenden die anderen fünf Millionen will er, Jahr für Jahr, in einen Fonds einzahlen, aus dem später die Pensionen gezahlt werden.

Mit Zins und Zinseszins sammelten sich so in zwanzig Jahren, wenn die ersten Neubeamten pensioniert werden, rund 225 Millionen Mark an.

Daß seine Rechnung langfristig aufgeht, davon ist Grandke überzeugt. Der "Personalstamm" sei jung, die heutigen Pensionäre hingegen schon im vorgerückten Alter. Die Pensionskosten von derzeit vierzehn Millionen Mark jährlich würden daher trotz der Massenverbeamtung in den nächsten Jahren sinken. Und gegen Risiken wie etwa eine Häufung von Frühpensionierungen würden Policen abgeschlossen. Grinsend berichtet er, daß sich schon die ersten Banken und Versicherungen gemeldet hätten, die den Fonds gern anlegen würden.

Die Parteien sorgen sich um das Solidarprinzip

Dieses "rein betriebswirtschaftliche Rechenmodell", kritisiert die Gewerkschaft ÖTV, sei der "Ausstieg aus dem solidarischen Sozialversicherungssystem". Mit der Verbeamtung von Angestellten würden der Renten- und Arbeitslosenversicherung Beitragszahler entzogen. Was die Gewerkschaft besonders schmerzlich trifft: Beamte dürfen nicht streiken.