Als der Sportökonom Reinhardt Weinberger 1989 auf Jobsuche ging, mußte er seinen Bewerbungen noch eine genaue Beschreibung seiner Ausbildung beilegen.

Kaum einer seiner potentiellen Arbeitgeber hatte eine Ahnung, was das für ein Beruf war, den er da an der Bayreuther Universität gelernt hatte. Das hat sich geändert: Sportökonomen sind inzwischen gefragte Spezialisten.

Überall machen sich die Ökonomen breit: bei den Sportlern, den Künstlern, den Technikern und den Medizinern. Die Technische Universität Ilmenau bildet Medienwirtschaftler aus, die Fachhochschule Mainz Wirtschaftsjuristen, und aus Reutlingen kommen "Chemiker mit Marketing-Kompetenz". Vielfach wird Betriebswirtschaftslehre im Rahmen von Simultanstudiengängen angeboten - zum Beispiel an der Gesamthochschule Paderborn zusammen mit dem Studiengang Maschinenbau und Elektrotechnik. Und im Programm der Fachhochschule Wilhelmshaven findet sich eine Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur - und zwar ausschließlich für Frauen.

Wer seinen Traumberuf mit einer Ausbildung in Wirtschaftslehre kombiniert, hat offenbar beste Chancen auf einen Arbeitsplatz. Reinhardt Weinberger ist heute Leiter des Geschäftsbereichs Sportwerbung bei der Deutschen Städtereklame (DSR) in Frankfurt. Das Studium, das er in Bayreuth absolviert hat, kombiniert volkswirtschaftliche mit sportlichen Lehrinhalten. Außerdem gehören Jura, Marketing und eine Fremdsprache zur Ausbildung. Kritiker unken zwar, ein Sportökonom lerne von allem ein wenig, aber nichts richtig. Doch darüber kann die Sportökonomin Heike Ullrich nur lachen. Sie organisiert und betreut seit etwa zwei Jahren beim Deutschen Fußballbund die Frauennationalmannschaft. "Alles, was ich im Studium gelernt habe, ist für meinen Berufseinstieg als Hintergrundwissen sehr wichtig gewesen", sagt sie.

Selbst die Fremdsprache habe ihr sehr geholfen, als sie vor kurzem für eine Woche mit der Mannschaft im Wintertrainingslager auf Sizilien war.

Allein über die universitätsinterne Stellenbörse in Bayreuth werden jährlich bis zu fünfzig Stellen vermittelt. Und das bei fünfzig bis sechzig Absolventen im Jahr. Sportökonomen verkaufen Tennisschläger, erstellen Gesundheitsprogramme bei Krankenkassen, arbeiten in diversen Medien oder in Sportorganisationen. Zugute kommt ihnen dabei der gegenwärtige Boom in der Sportbranche.

Vom Maschinenbauer zum Filmökonomen