Mittlerweile aber, sagt der Pressesprecher, habe sich das Bild durch Berichte in den Medien und Erzählungen anderer Studenten gewandelt.

Eine Serie von Werbeanzeigen, die das Kultusministerium von Mecklenburg-Vorpommern vergangenes Jahr schaltete, läßt anderes vermuten.

Drei junge Menschen blickten den Lesern von ZEIT und Spiegel ins Gesicht, ernst, schwarzweiß und ganzseitig. Links neben ihrer Stirn waren Gründe für ein Studium im Nordosten Deutschlands zu lesen: "weil mich die Weite der Landschaft immer neu inspiriert" (Monika), "weil ich hier Mensch bin, und nicht Masse" (Matthias), "weil ich mich hier auf das Wesentliche konzentrieren kann" (Stephanie). Die Studienorte von Monika, Matthias und Stephanie: Rostock und Greifswald. Ihre Heimatstädte: Regensburg, Oberhausen und Hamburg.

"Wir brauchen im Osten mehr Ausländer und Westdeutsche"

Daß alle werbetauglichen Studenten "Wessis" sind, ist kein Zufall. Die Anzeigen zielten in erster Linie auf Studienbewerber in den alten Ländern.

"Wir brauchen mehr Kontakt mit Ausländern und Westdeutschen", heißt es im Schweriner Kultusministerium. Kontakt allein jedoch bringt noch keine Annäherung, sondern verstärkt womöglich die "Tendenzen des gegenseitigen Abgrenzens und Abschottens", wie sie die Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz in einer 1996 vom Bundesbildungsministerium herausgegebenen Studie feststellt. 9000 Studierende antworteten auf die Fragen der Arbeitsgruppe, nicht einmal jeder zweite von ihnen wünschte sich einen stärkeren Kontakt zu Kommilitonen aus dem anderen Teil Deutschlands.

Das führen die Forscher in wohlformulierten Worten vor allem zurück auf "Erfahrungen, die ein Zurückziehen auf die vertrauten Verkehrskreise im eigenen Teilgebiet nahelegen". Sie kommen zu dem Schluß, daß sich "die innere Distanz" vergrößert habe und selbst "im Hinblick auf die längerfristige berufliche Zukunftsplanung von den Studierenden wenig Mobilität zwischen den alten und neuen Ländern zu erwarten ist".