Der glückliche Ausgang der jüngsten Irak-Krise hat nur einen Sieger - die Vereinten Nationen, und das ist gut so. In dem Showdown zwischen Bagdad und Washington ging es von Anfang an um die Autorität der Weltorganisation ihr hat Generalsekretär Kofi Annan mit ruhiger Würde und beharrlicher Diplomatie zum Durchbruch verholfen.

Die amerikanische Drohung, notfalls Gewalt anzuwenden, war dabei durchaus nützlich das hat Annan in Bagdad nicht verhehlt. Zugleich hat er mit seiner diplomatischen Intervention Bill Clinton die einzig schlüssige Begründung für die Machtdemonstration am Golf nachgereicht. Als Druckmittel für Verhandlungen gab sie guten Sinn, als Strafknüppel kaum.

Die Welt kann vorerst aufatmen. In dem schriftlichen Abkommen, das Annan am vergangenen Dienstag dem Sicherheitsrat in New York vorlegte, verpflichtet der Irak sich zum ersten Mal freiwillig, den UN-Inspektoren seine sämtlichen Rüstungsanstrengungen im Bereich der Massenvernichtungswaffen offenzulegen.

Ob damit Saddam Husseins nahezu chronische Neigung, die Inspektoren zu täuschen oder sonstwie zu behindern, überwunden ist, werden die nächsten Wochen zeigen. So lange wenigstens will Präsident Clinton seine Truppen in der Region im jetzigen Ausmaß belassen.

Der Erfolg des UN-Generalsekretärs ist allerdings nicht mehr als ein Etappensieg auf dem Weg zur Lösung des Konflikts. Die Kernfrage bleibt weiterhin unbeantwortet: Sind die Vereinigten Staaten bereit, im UN-Sicherheitsrat der Aufhebung der Sanktionen zuzustimmen, sobald die Inspektoren ihre Arbeit für abgeschlossen erklären? Oder wollen sie das Embargo vor allem benutzen, um Saddam Hussein weiterhin in Schach zu halten?

Aus drei Gründen ist nur die erste Option realistisch. Erstens, weil das Embargo Saddams Macht gestärkt, nicht geschwächt hat. Zweitens, weil auch die schärfsten Sanktionen mit der Zeit abstumpfen schon heute werden monatlich über 200 000 Tonnen Rohöl illegal aus dem Irak ausgeführt. Drittens, weil die Drohung mit militärischen Strafaktionen durch Wiederholung an Glaubwürdigkeit einbüßt und an politischer Sprengkraft in der Region gewinnt.

Statt mit allen Mitteln auf den Sanktionen zu bestehen, sollte Bill Clinton erkennen, daß er für ihre Aufhebung heute noch einen Preis fordern kann: die umfassende Durchleuchtung der Rüstungsindustrie eines besiegten, aber nicht besetzten Staates. Um der Bedrohung durch die dennoch verbleibenden Waffen zu begegnen, bleibt nicht mehr, aber auch nicht weniger als glaubhafte Abschreckung für den Fall eines irakischen Einsatzes. Dafür kann Amerika sich regionaler und internationaler Unterstützung auf lange Zeit gewiß sein.