Alice Schwarzer und der Papst waren ja schon immer dagegen. Sie haben recht: Die Koedukation ist von Übel, Jungen und Mädchen gehören nicht auf die gleiche Schulbank, jedenfalls nicht immer. Nun haben auch die nordrhein-westfälische Kultusministerin Gabriele Behler (SPD) und die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Eva-Maria Stange, ein Einsehen. Das unbekümmerte Miteinander im Unterricht, amtsdeutsch: "die undifferenzierte Koedukation", soll im nächsten Jahr ein Ende haben, zumindest in einigen Fächern wie der Informatik oder der Physik. Denn Mädchen, so lautet die Begründung, lernen nun einmal anders und würden deshalb vor allem in den Naturwissenschaften benachteiligt.

Wer hat doch eben erst wieder behauptet: Männer und Frauen passen nicht zusammen? Da scheint was dran zu sein. Also zurück mit den Mädels in den Jungfernbunker. Pikanterweise kommt dieser Marschbefehl von jenen Reformern, die ihn einst in umgekehrter Richtung ausgaben, als sie vor bald dreißig Jahren die Koedukation an den Schulen zur Regel machten - damals wie heute in durchaus frauenfreundlicher Absicht: Gleichberechtigung durch Chancengleicheit.

Und was lernen wir daraus? Die Fortschrittlichen sind immer die gleichen in einer Gesellschaft - nur der Fortschritt ändert sich. Gelegentlich ist es der Rückschritt. Oder umgekehrt.