Viele Gedichte aus dem Band "Birthday Letters" von Ted Hughes sind erstens schon seit "New Selected Poems 1957-1994" bekannt zweitens hat Ted Hughes immer wieder, vor allem wenn "feministisch" orientierte Berichte oder Bücher über Sylvia Plath erschienen waren, versucht, das von ihm und Sylvia Plath entworfene Bild in Leserbriefen, Interviews oder Artikeln zu korrigieren, letzteres etwa in einem längeren Artikel in Times Literary Supplement vom 24. April 1992, einer englischen Wochenzeitung, die man keineswegs als esoterisch oder obskur bezeichnen kann.

Dr. Peter Kislinger, Wien

Als Maßstab für die achtundachtzig neu veröffentlichten Gedichte des poet laureate werden von Winkler bemerkenswerterweise gerade nur die wenigen herangezogen, die in der Times als Vorabdruck erschienen und die dort von Erica Wagner eingeführt und mit Erläuterungen versehen wurden. Vermeintliche Pointen bis zum Abwinken. So bemüht Winkler einen Verweis auf Wordsworth, einen der Amtsvorgänger von Hughes, was bestallte höfische "Reimereien" angeht. "Daffodils" wird auf wenige Zeilen eingekocht und als vorschriftsmäßig pastorales Andachtsbild eingestuft. Es ist dann schon ein bißchen peinlich, wenn man bei einer so fundamentalen Manöverkritik Lesefehler begeht. So ist von Hughes' und Plaths Sohn Nicholas im gesamten Gedicht nicht die Rede. Eigentlich nebensächlich, wäre es nicht so symptomatisch für diese Rezension.

Patrick Handschuh, Köln

Es ist eine grobe Beleidigung der Schriftstellerin Sylvia Plath, sie hätte, würde sie noch leben, "überflüssige Romane" geschrieben. Jetzt wäre sie, so der Autor, genauso alt wie John Updike. Sylvia Plath mit einem Mann und Autor zu vergleichen, der völlig langweilige Literatur produziert, ist mehr als peinlich. Dieser Schriftstellerin aber zu unterstellen, sie wäre inzwischen mehrmals "geschieden" und "geliftet", muß wieder mal als Versuch eines Mannes gewertet werden, die Leistung einer Frau zu demontieren, indem er sie auf Äußerlichkeiten reduziert und festlegt.

Monika Ertl, Berlin

Für mich als Engländer, Dozent und Dichter ist dieses verzerrte Bild von Hughes nicht nur "unbequem", sondern absichtlich extrem und partisan, ungerecht und erbarmungslos. Die verständnisvollen Worte von Andrew Motion, auch ein Dichter, sind eher ernst zu nehmen: "a man obsessed, stricken and deeply loving". In dem ergreifenden Gedicht "The Prism" wird dieses gemäßigte Urteil bestätigt.