Mein erstes Bild der Kultusministerkonferenz kam aus dem Fernsehapparat.

ARD und ZDF waren die einzigen bundesdeutschen Medien, zu denen ich in der DDR regelmäßig Zugang hatte, und fast die einzigen Fernsehkanäle, die ich einschaltete. Die DDR kannte ich zur Genüge. Mir reichten ihre Zeitungen.

Über die KMK stand dort kein gutes Wort. Aber was ich davon in den bundesdeutschen Fernsehsendern sah und hörte, nahm mich auch nicht gerade für diese Institution ein. Trotzdem begriff ich 1990, welche Chancen der Kulturföderalismus und die ihn koordinierende und repräsentierende KMK den ostdeutschen Ländern in einem vereinigten Deutschland bieten könnten.

Hat sich diese Hoffnung erfüllt? Sicher haben in kaum einem anderen Gremium die absurderweise von manchen als "neu" oder "jung" bezeichneten Länder im Osten Deutschlands eine ähnlich gewichtige Stellung. Die sogenannte Kulturhoheit ist das Kernstück des deutschen Föderalismus und wird von den Ländern eifersüchtig gehütet - gegenüber dem Bund und gegenüber möglichen Ländermehrheiten. In der KMK gilt daher das Prinzip der Einstimmigkeit.

Damit ist der Gestaltungsraum eines Landes in Bildung, Wissenschaft und Kultur doppelt geschützt - durch seine Verfassungskompetenz und das Verbot der Majorisierung. Dem stehen aber in der Realität finanzielle, politische und rechtliche Schranken entgegen.

Ein gegenläufiger Faktor von besonderem Gewicht ist die Tatsache, daß die KMK im Verlauf der Jahrzehnte viele Rechtstitel zum gemeinsamen Schutz unterschiedlicher bis gegensätzlicher Positionen in der Bildungspolitik und Bildungsideologie geschaffen und den Charakter eines detailversessenen Kartells angenommen hat. In dieser Hinsicht ist die KMK das Spiegelbild der bundesdeutschen Gesellschaft, die - jedenfalls für Neuhinzukommende aus der DDR wie mich - den Eindruck einer besonders verrechtlichten und ideologisierten Gesellschaft macht. Der Ideologieverdacht mag überraschen.

Doch wenn auch die DDR sogar nach eigenem Bekunden kein Rechtsstaat war, so wurde sie in dem Reden und Handeln ihrer Politiker von Ideologie durchtränkt.