Für den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen ist der Parteitag der Berliner CDU am letzten Wochenende nicht gut gelaufen, für seine Widersacher schon. Mit nur 63 Prozent der Delegierten-Stimmen wurde Diepgen zum Landesvorsitzenden wiedergewählt 1996 waren es noch 74 und Mitte der achtziger Jahre sogar einmal 96 Prozent. Die 138 Nein-Stimmen ließen den blassen Eberhard, wie er oft und gern genannt wird, noch blasser werden.

Inzwischen hat er sich offenbar gefangen und weiß als Politiker mit analytischem Verstand die Ursachen seiner Schlappe genau zu nennen.

Die Kluft zwischen realpolitischem Pragmatismus und fundamentalistischen Hoffnungen sieht Diepgen als einen Grund für sein schwaches Wahlergebnis, auch wenn er es etwas vorsichtiger formuliert, wie es seine Art ist. Daß er sich Berliner Karrierewünschen versagt und statt dessen Leute von außen in seinen Senat genommen hat, nennt er als weiteren Grund, und überhaupt: "Wenn man vierzehn Jahre ein Amt hat, hat man auch vielen Leuten mal auf die Füße getreten." Nun treten die zurück, nachdem sie ihre Bataillone gestärkt haben.

Auf ihren Fahnen steht "Union 2000".

Die Gruppierung, die sich so nennt, kam irgendwann irgendwo aus den Tiefen der Partei, wenn auch nicht gerade von der Basis. Es waren zunächst jüngere Leute, die die Initiative ergriffen, die Kreisvorsitzenden Schütze und Hapel, der Staatssekretär Schmitt. Später stieß Uwe Lehmann-Brauns dazu, ein langjähriger Widersacher Diepgens. Als Lehmann-Brauns im mitgliederstärksten Kreisverband Zehlendorf den Diepgen-Freund und Bausenator Jürgen Klemann aus dem Kreisvorsitz kippte, war die Union 2000 zur politischen Kraft geworden, die auch den Ausgang von Parteitagen beeinflussen kann, wie sich jetzt zeigte. Nur: Was wollen diese Leute überhaupt?

"Wir sind ein Konglomerat von vierzehn Kreisvorsitzenden, die sich zusammengefunden haben, um Mängel der bisherigen CDU-Landesführung abzustellen", erläutert Lehmann-Brauns und sagt zunächst, was sie nicht wollen: ein anderes Parteiprogramm, neue Grundwerte, einen neuen Regierenden Bürgermeister, wohl aber die Trennung der Ämter, also einen neuen Landesvorsitzenden. Sie stünden fest auf dem Boden der Partei, nur solle sie keine Nebenstelle der Großen Koalition sein, zu der Diepgen sie gemacht habe.

Sie fürchten angesichts schlechter Umfrageergebnisse um die Wähler, denn "die Große Koalition ist nichts Erotisches, deshalb wollen wir die Konturen des einen Koalitionsträgers deutlich machen".