Ein Gespenst geht um in Deutschland - es heißt McKinsey. Wo die Silben der Beratungsfirma ausgestoßen werden, kommt Kultur unter die Räder - so sehr, daß der Direktor der auch von Sparmaßnahmen bedrängten Stuttgarter Staatsgalerie die Sanierer gleich selber ins Haus rief, in der Hoffnung, Teufel mit Beelzebub austreiben zu können.

Was bei einem Großunternehmen auf Sekunden und Heller und Pfennig zu berechnen ist, klappt das auch bei Menschen, die mit Kunst, Kultur, Literatur - mit Menschen zu tun haben?

Hat nicht gerade die Kulturdezernentin von Köln ihren Schreibtisch auch deshalb geräumt, weil die Berater von McKinsey ihr zumuten wollten, die einzigartige, in Jahrzehnten gewachsene Struktur von Kunst- und Filmbibliotheken ("Einsparungspotential") zu zerschlagen?

Der tapferen Rücktrittsfrau Kathinka Dittrich hat eine Bremer Bürgerinitiative am Abend des 23. Februar eine überfüllte Diskussionsveranstaltung im Rathaus gewidmet. Dieser Abend macht Hoffnung: Die Bürger sind es leid, sich durch schwerfällige Verwaltung, die aus eigener Unfähigkeit McKinsey zur Hilfe ruft, gängeln zu lassen. Sie stellen dem kulturfremden McKinsey-Gutachten, das demnächst "umgesetzt" werden soll, vier Experten gegenüber, die zu ganz anderen Ergebnissen kommen: Eckard Heintz (Gasteig Kulturzentrum München) Bernd Meyer (Bibliotheksdirektor, Kulturdezernent beim deutschen Städtetag) Thomas Messer (einst Leiter des Guggenheim Museums in New York) Michael Schindhelm (Intendant in Basel).

Alle vier beklagen die Kunstferne der McKinsey-Leute mit der (nur) ökonomischen Meßlatte.

An diesem Abend hat sich etwas geändert in Deutschland: Die Eltern begabter Kinder wehren sich gegen staatliche Bevormundung (Musikschulen mit 620-Mark-Aushilfen), die Leser gegen Schließung weiterer Bibliotheken, die Theaterleute gegen neue Entlassungen.

Kein Scherbengericht. Alle halten sich an die Bitte, jetzt nur die neuen Gutachten anzuhören und zu diskutieren - und in vierzehn Tagen, am 9. März, mit Vertretern des Senats darüber zu diskutieren - um mit Bernd Meyer zu sprechen: Wie bebrütet man das viereckige Ei, das McKinsey den Bremern ins Nest gelegt hat?