Die Geschichte bewegt sich im Schattenreich zwischen Wachheit und Halluzination, dort, wo einbrechende Dämmerung die Konturen schärft und zugleich ins Unwirkliche entrückt. So traumhaft, so gespenstisch diese Geschichte oftmals anmutet, so realistisch und alltäglich ist sie dann wieder in der erzählten Situation, so daß der Leser nie ganz sicher sein kann, an welcher Stelle aus dem Laufen ein Fallen wird und wann der Angsttraum zur Wirklichkeit wird.

Und nie ist ganz klar, ob das stille Entsetzen, das den Roman begleitet wie ein kaum spürbares Beben, eine Entsprechung in der Wirklichkeit und eine Berechtigung hat. Daß Schlimmes nicht geschieht, ist kein Trost, denn es könnte jederzeit geschehen, in dieser Schwebe, auf dieser Grenze zwischen Verharren und Taumeln.

Bewundernswert der leise, durchdringende Ton, die Leichtigkeit und Klarheit der Sprache. Sie ist musikalisch und beherrscht, schreckensstarr und beweglich. Sie zeigt die schlafwandlerische Zielstrebigkeit, die zeitlupenhafte Verlangsamung eines Träumers bei wachem Verstand. Schon mit seinem ersten Gedichtband "Aufstehn und Gehn" (1980) war Clemens Eich aufgefallen und erhielt den Förderpreis der Stadt Mannheim. 1987 erschien der Erzählungsband "Zwanzig nach Drei". Für das "Steinerne Meer" (1995) bekam er den Mara-Cassens-Preis. Die Kritiker rühmten den Roman.

Eich war auf dem Weg in die erste Reihe der deutschen Autoren. Er arbeitete an einem neuen Prosawerk. Ein Unfall in Wien, ein Sturz mit tödlicher Folge, setzte seinen Hoffnungen und denen seiner Leser ein Ende. In seinem Roman heißt es über das Stürzen: "Eine Art Schrei in der Luft, dort oben, wie bei Sportlern manchmal. Das Geräusch eines Pfeils, der abgeschossen wird, aus der Spannung des Bogens entlassen wird. Sirrend. Wenn einer die Luft scharf einzieht, bei einem Schreck, einer Anstrengung, einer Lust. Wenn einer Glocke im Läuten der Klöppel ausgerissen wird. Plötzlich ist der Ton weg. Nur noch ein Nachhallen. Nichts. Wie ein Sack, der in die Tiefe fällt. Der Aufprall.

Ein Klatschen. Ein Zerschellen."