Jetzt ist es quasi offiziell: Am 27. September wird die jetzige Regierungskoalition "mit einem besseren Ergebnis als 1994" bestätigt.

Überrascht? Helmut Kohl hat mit seinen Prognosen so falsch nie gelegen, weshalb wir vorsichtshalber unterstellen wollen, sein Voraussageglück bleibt ihm auch diesmal treu.

Wieder einmal setzt der Kanzler auf den Swing in letzter Stunde. Das war die Hauptbotschaft, die er jüngst den Interviewern Wolfgang Klein und Peter Limbourg (ProSieben) mit auf den Weg gab. Dabei wird Kohl wohl auch bleiben, egal wie die Wahlen in Niedersachsen am 1. März ausgehen. Irgendwie, so sieht es aus, braucht er das jetzt einfach, eine ordentliche Dosis Herausforderung, die in den schlechten demoskopischen Zahlen steckt, so wie er auch kritische Journalistenfragen dringend benötigt, um mit dem gewohnten "Entschuldigung!"

die Sache geraderücken zu können.

Entschuldigung! Natürlich ist die FDP wieder im nächsten Bundestag. "Je mehr über den Untergang geredet wird, um so sicherer ist sie drin, und sie wird drinbleiben." Kohl schickt dem noch hinterher, viele Leute würden sagen, "ob ich sie wähle oder nicht, ich will, daß sie drinbleiben". Ein auslegbarer Satz, aber das soll vorkommen beim Kanzler. Seine rätselhaften Worte könnte man als die subtilste Form der Zweitstimmenwerbung verstehen, Deutlicheres würde seine eigene Partei auch nicht akzeptieren. Man muß sie gar nicht wählen, sagt Kohl, schon der Wille, die FDP möge es schaffen, reicht.

Entschuldigung! "Das tue ich mir nicht mehr an nach diesem Lebenslauf, daß ich noch eine Große Koalition bilde." Dafür also stehe er nicht zur Verfügung, verrät der Kanzler. Im Prinzip, fährt er fort, müßten demokratische Parteien untereinander koalieren können, sonst "können wir unseren Laden zumachen". Eine Große Koalition will er also verhindern, aber käme sie, wäre es so schlimm auch wieder nicht.

Es wäre Kohl halt lieber, so legen wir das aus, daß er einfach irgendwie dranbleiben kann. Aber gleichzeitig beteuert er, es wäre für ihn "ein großer Triumph, wenn ich erleben kann, daß Wolfgang Schäuble mein Nachfolger wird".