Da haben Jan Leschly und Richard Sykes uns ganz schön geleimt. Erst versetzen sie im Januar die ganze Welt in Aufregung: Aus ihren Riesenunternehmen SmithKline Beecham (SB) und Glaxo Wellcome sollte über Nacht der größte Pharmakonzern der Welt werden. Und dann sagen sie am Montag abend einfach ab. Die beiden Sensibelchen in der Topetage haben "kulturelle und philosophische Schwierigkeiten" ausgemacht. Sachliche Gründe sprächen indessen weiter für die Fusion.

Fürs erste haben die Stakeholder über die Shareholder gewonnen. Die meisten Mitarbeiter werden froh sein, daß der Megamerger nicht zustande kommt. Die Aktionäre sehen in die Röhre. Die Spekulationsblase mit SB- und Glaxo-Aktien ist geplatzt.

Doch der Trend zum industriellen Größenwahn bekommt ebenfalls einen Dämpfer.

Der Pharma-Supermerger war immerhin der bisherige Höhepunkt im weltweiten Fusionsfieber der Industriellen, Banker, Unternehmensberater und Softwareprogrammierer - und in Amerika und in Europa wurde im vergangenen Jahr mehr Geld denn je für die Übernahme von Unternehmen lockergemacht.

Natürlich bestreiten alle Beteiligten, daß der Fusionsvirus bloß ein dumpfes Fieber sei. Alle nämlich wissen klare ökonomische Gründe: die Not zu expandieren, den Zwang zur Kostensenkung, die Suche nach der Wunderpille.

Doch die Nachricht von der Insel hat wie ein Eimer kalten Wassers gewirkt: Nun kommen die Skeptiker zu Wort. Hätten die Forscher bei Glaxo und SB tatsächlich mit vereinten Kräften schneller gearbeitet? Oder hätten ihre Chefs bloß kurzfristig durch Entlassungen und Rationalisierungen gespart und Gewinne eingefahren?

Untersuchungen zufolge sind weniger als die Hälfte aller Akquisitionen am Ende von geschäftlichem Erfolg gekrönt. Es spielen ja nicht nur rationale, sondern auch persönliche Motive eine Rolle. Machtansprüche der Manager zum Beispiel, der Krach unter den vereinigten Belegschaften, die Launen der Kartellbehörden. Viele Bieter zahlen viel zu hohe Preise für das Objekt ihrer Begierde.