Es gibt Neues im deutschen Recht, und es betrifft jeden, der sich juristisch streiten will oder muß: In der Berufsordnung für Rechtsanwälte, im Paragraph 18, erscheint ein Mediator. Also jemand, der Mediation betreibt.

Das hat nichts mit Meditation zu tun, sondern bedeutet Vermittlung. Ein Mediator ist also jemand, der zwischen streitenden Parteien vermittelt, um eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen.

Der Begriff Mediation stammt zwar aus den Vereinigten Staaten, die Idee aber kommt aus einer Welt, die uns sehr viel fremder ist, nämlich aus den Stammesgesellschaften Afrikas und anderer Länder der Dritten Welt, in denen Streitschlichtung ohne Gerichte die Regel war - aus dem einfachen Grund, weil es dort Gerichte meistens nicht gab. Es waren amerikanische Ethnologen, die das Verfahren am besten beobachtet und beschrieben haben, dann wurde es von Juristen übernommen.

Nun heißt es zwar auch im Paragraph 279 der deutschen Zivilprozeßordnung: "Das Gericht soll in jeder Lage des Verfahrens auf eine gütliche Beilegung des Rechtsstreits ... bedacht sein", und jeder vernünftige Richter versucht, zuerst eine solche Einigung, "Vergleich" genannt, herbeizuführen. Ganz abgesehen von dem Vorteil, den ein Vergleich für die streitenden Parteien zumeist hat, erspart er dem Richter das Schreiben langer Urteilsbegründungen.

Auch für die beteiligten Rechtsanwälte ist er recht günstig, erhalten sie doch im Erfolgsfall eine zusätzliche "Vergleichsgebühr" sie verdienen also mehr als mit einem klassischen Gerichtsverfahren. Wozu dann noch Mediation, also die außergerichtliche Einigung?

Heute streiten und morgen vernünftig miteinander leben Die naheliegende Begründung lautet, man spare durch sie Gerichtskosten. Sie trifft nur in den meisten Fällen nicht zu, denn die Mediation ist regelmäßig teurer als ein normaler Prozeß vor Gericht. Es muß also noch andere Gründe geben. Einer von ihnen lautet: Das Leben ist kurz, und Gerichtsverfahren sind lang. Schon besser. Zwar dauert auch Mediation oft eine gute Weile, aber kürzer als Prozesse, die durch mehrere Instanzen geführt werden, ist sie sicherlich. Wenn allerdings ein Prozeß mit einem gerichtlichen Vergleich beendet wird, gibt es ebenfalls keine weiteren Instanzen mehr, und er kann manchmal sogar noch schneller erreicht werden als eine außergerichtliche Einigung.

Warum wird das Thema also mit zunehmender Intensität diskutiert, warum werden darüber viele Bücher geschrieben und Aufsätze in juristischen Zeitschriften verfaßt, einschlägige Tagungen veranstaltet, und warum lassen sich immer mehr - meist jüngere - Rechtsanwälte in teuren Kursen zu Mediatoren ausbilden?