Fährt der Mensch in Urlaub, dann muß er was erleben. Snowbiking, Canyooning oder Bungee jumping beispielsweise. Im Zeitalter der Events und Happenings haben es urige Traditionsorte und beschauliche Landschaften immer schwerer, sich gegen die Action-Angebote zu behaupten. Und dennoch: Selbst in dieser Zeit, in der mittelfristig planende Urlauber bereits Fernreisen zum Mond reservieren können, müssen diese Ziele nicht alle Hoffnung fahrenlassen.

Seit in Bad Füssing ein pensionierter Seemann vor Anker ging, boomt selbst im tiefsten Niederbayern die Erlebnisgastronomie. Zwischen Bauernhöfen, Rübenäckern und Viehweiden können die Feriengäste nun auf Kreuzfahrt gehen - ohne eine Handbreit Wasser unter dem Kiel und zu wahrhaft bodenständigen Preisen.

Harry Biehl, einst als "Karajan der Kommandobrücke" bewunderter Exkäpt'n des TV-Traumschiffs MS Berlin, lädt Kreuzfahrt-Enthusiasten mit hochseeuntauglichen Mägen zum "Traumschiff-Urlaub" - in ein auf maritimes Ambiente getrimmtes Hotel. Selbstverständlich werden die Gäste auch auf dem Trockenen mit einem kompletten Bordprogramm verwöhnt, denn zwischen morgens früh und abends spät winken Shows, Tanztees am Nachmittag sowie das Mitternachtsbüfett im "Kreuzfahrt-Stil".

Auch für geistige Nahrung ist gesorgt: Bei Kerzenschein und edlem Wein bekommen die Billigpassagiere Seemannsgarn und Anekdoten aus fünfzehn Jahren Berlin-Erfahrung geboten. Ganz so wie im richtigen Bordleben fehlt auch in Bad Füssing nicht der kulinarische Höhepunkt eines jeden Schlemmertörns: Einmal pro Woche zwängt sich der einstige Grandseigneur der Weltmeere nochmals in seine weiße Galauniform - und empfängt die betagten Gäste zum captain's dinner auf dem Promenadendeck.

Daß es manchmal gilt, rasend schnell zu schalten, um eine sich plötzlich öffnende Marktlücke zu besetzen, demonstriert das Beispiel des Ortes Malmesbury. Bisher stand der Weiler in der englischen Grafschaft Wilshire nicht gerade im Mittelpunkt globaler Touristenströme. Doch das dürfte sich bald ändern.

Geschafft haben das zwei Schweine. Deren spektakulärer Ausbruch aus dem hiesigen Schlachthof fand unlängst ein weltweites Medienecho. Was lag also näher, als die nach berühmten menschlichen Kinoheroen benannten Borstenviecher Butch und Sundance zum Mittelpunkt der ersten Touristenattraktion dieser Gemeinde zu machen? Tiere, das hat die Tourismusforschung ergeben, gehen immer.

Also wurde in Malmesbury flugs ein Wanderpfad für Zweibeiner angelegt, entlang der Fluchtroute der cleveren Schweine. Ergänzend dazu hält das örtliche Tourismusbüro ein Informationsblatt bereit, in dem die wichtigsten Stationen zwischen Schlachtbank und erneuter Gefangennahme verzeichnet sind.