Minden, die kleine Stadt an der Weser, wird 1998 1200 Jahre alt. Grund genug, sich einmal anzusehen, wer dort was geschrieben hat. Die Anthologie Mindener Lesebuch stimmt auf die Feier ein. Es begann im 13. Jahrhundert mit Domdechant Gerhart, einem Fabeldichter deutscher Sprache, den man den "Wolfenbüttler Äsop" nannte. "Truwe ist ein hocgebord" ("Treue ist ein edles Gut") dekretierte sein Nachfolger Eberhard von Cerne im 14. Jahrhundert in zehn Geboten für die Minne in Minden - und so ging es weiter: ein Goethe-Freund namens Meyer ward an der Weser seßhaft, andere Geister wie Lichtenberg und Fouqué hielt es nicht dort, Heine notierte, warum: "Minden ist eine feste Burg, / Hat gute Wehr und Waffen! / Mit preußischen Festungen hab ich jedoch / Nicht gerne was zu schaffen." Minden und die Dichterinnen: Gertrud von le Fort war die bekannteste, zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es deren viele, und etliche hießen Elise. Von einer, Elise Polko, sagte man, daß sie "schön sang". Später wurde Hans Wollschläger hier geboren, Gregor Laschen machte Abitur in Minden, doch beide blieben nicht, so daß man sich neuerdings an der Weser Stadtschreiber hält, die zum Ruhme Mindens dichten: "Noch was gab es hier, das wir nicht mögen konnten: Feuerwanzen. Als ziemlich großes, flaches Ding, das aus vielen kleinen, dicht zusammengedrängten Viechern gefügt war, krabbelten sie, einander ständig bekletternd, über die Kirchhoflandschaft. Inseln blöder, zielverlorener Flüchtlinge..." So weit Katja Lange-Müller, die 1997 Minden beehrte, eine Stadt, die Dichter liebt.

Karsten Ernst Strack (Hrsg.):

Mindener Lesebuch -

800 Jahre Literatur in Minden

Igel Verlag, Paderborn 1997 228 S., 29,80 DM