Chinesische Aufsteiger trifft man an der Wall Street und im Silicon Valley heute an jeder Ecke. Sie haben in Harvard oder Stanford studiert und besetzen Plätze in den besten amerikanischen Konzernen. In deutschen Unternehmen trifft man sie dagegen selten an. "Viele sprechen von Internationalisierung und betreiben sie gerade in der Personalpolitik halbherzig", meint einer, der es geschafft hat - der Diplom-Kaufmann Song Xinju, der nun als erster Chinese in die Geschäftsleitung der Münchner Unternehmensberatung Roland Berger & Partner aufrückte.

"Wer die Position nicht hat, kann auch der Sache nicht dienen", zitiert der 35jährige Manager und Sohn eines Parteikaders Konfuzius. Sechs Jahre studierte Song Marketing an der Uni Köln, absolvierte dann ein Traineeprogramm bei der Deutschen Bank und ging hernach zu Roland Berger.

Auch als Mitglied der Geschäftsführung bleibt er Leiter des Pekinger Büros und zuständig für 24 Mitarbeiter in ganz China.

Songs Leistung sei es gewesen, in wenigen Jahren aus dem Nichts ein florierendes China-Geschäft aufzubauen, sagt Roland Berger. Ein wenig Karriereglück war auch dabei: Weil sich der ehemalige Chef des Berger-Büros in Shanghai, Li Bo, während seiner Studienjahre in Deutschland als Anhänger der Studentenbewegung auf dem Tiananmen-Platz hervorgetan hatte, kam er für den Topjob in Peking nicht in Frage. "Ein toller Mann, der es verdient hat", lobt jetzt Thomas Thiele von der deutschen Managementberatung Fiducia in Peking seinen Konkurrenten Song. Erfolgreich betreute der Berger-Vertreter kürzlich die Umwandlung einer staatlichen Behörde mit 200 000 Mitarbeitern in eine Holding-Gesellschaft mit hundert Tochterfirmen.

In mancher Hinsicht hat es der Chinese schwerer als jeder Unternehmensberater aus der Bundesrepublik. Bei der Zusammenarbeit mit deutschen Firmen, die in China investieren, muß Song aufpassen, daß man den Frust über die Chinesen nicht auf ihn überträgt. Da helfen auch die eleganten westlichen Anzüge und sein perfektes Deutsch nicht. Umgekehrt bieten sich Song größere Chancen, wenn es um die Zukunft chinesischer Firmen geht. Hier steht in China eine epochale Umwälzung bevor, seit der Parteitag der Kommunisten im vergangenen Jahr die Privatisierung der Staatsunternehmen ausrief. "Nicht alles ist eins zu eins übertragbar, aber zumindest auf regionaler Ebene ist die Arbeit der Treuhand dabei ein Modell für China", prophezeit Song. Im eigenen Land findet er mit solchen Ansichten viel Gehör. "Managementberatung ist heute so wichtig wie das Rechtswesen und die Steuerberatung", schrieb das Börsenblatt Zhongguo Zhengguanbao vor kurzem über die Helfer aus dem Ausland.

Seine Aufgabe bei Roland Berger entspräche den Reformnotwendigkeiten seiner Heimat, meint Song: "Ich möchte zusammen mit den chinesischen Unternehmen wachsen", sagt er, "die heute den ersten Schritt in die Freiheit tun."